Konstanze Klosterhalfen pulverisiert nächsten deutschen Rekord

Mateusz Przybylko verteidigt seinen Titel

Archivmeldung aus dem Jahr 2019
Veröffentlicht: 04.08.2019 // Quelle: Bayer 04

Es war wieder einmal Konstanze Klosterhalfen, die bei den deutschen Meisterschaften im Berliner Olympiastadion für Furore sorgte. Im Alleingang unterbot sie den 20 Jahre alten deutschen Rekord über 5.000 Meter deutlich. Hochspringer Mateusz Przybylko konnte seinen Titel erfolgreich verteidigen. Insgesamt sammelte der TSV sieben Medaillen.
Wo sie auch antritt, sie liefert einen Husarenritt nach dem anderen. Im Berliner Olympiastadion stellte „Koko“ Klosterhalfen von Beginn des Rennens an klar, wo ihre 5.000 Meter lange Reise am Samstagabend hingehen sollte: zum nächsten deutschen Rekord. Ab dem ersten Schritt setzte sie sich deutlich vom Rest des Feldes ab, baute ihren Vorsprung im Verlauf der zwölfeinhalb Runden immer weiter aus und überrundete zahlreiche Läuferinnen. Ihre bis dato gültige Bestzeit verbesserte die in den USA lebende Athletin um 25 Sekunden und unterbot die Norm (15:22,00 Minuten) für die Weltmeisterschaften in Doha (Katar) um fast eine Minute.
„Mein Coach und ich haben im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften schon über den Rekord gesprochen. Die Zwischenzeiten, die mir zugerufen wurden, habe ich nicht wirklich gehört, weil die Stimmung hier grandios ist. Also bin ich einfach gerannt und freue mich jetzt sehr über den Rekord“, erklärte die Deutsche Meisterin nach ihrem neuerlichen Wunderlauf.
Mateusz Przybylko kehrte am Sonntag in das Stadion zurück, das ihm seinen bisher größten Erfolg seiner Karriere bescherte: das Olympiastadion in Berlin! Dort feierte er vor einem Jahr EM-Gold. Die nationalen Titelkämpfe in diesem Jahr spiegelten den bisherigen Saisonverlauf wieder. Der 27-Jährige kämpfte immer wieder mit Verletzungen, so dass ihm jede Menge Trainingssprünge fehlen. Am Sonntag schwang er sich über die Höhen von 2,10 Meter bis einschließlich 2,22 Meter im ersten Versuch. 2,25 Meter riss der Sportsoldat dann dreimal. Dennoch ließ er Falk Wendrich vom LAZ Soest (2,19 Meter) keine Chance und feierte seinen dritten deutschen Freilufttitel in Folge. Sein Vereins- und Trainingskollege Torsten Sanders, der immer wieder von Verletzungen ausgebremst wird, wurde mit 2,05 Meter Sechster.
Der mit Spannung erwartete Stabhochsprung-Krimi hielt, was er im Vorfeld versprach. Am Ende gewann Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) mit 5,76 Meter. Der erst 20-jährige Leverkusener Bo Kanda Lita Baehre, der als Titelverteidiger angereist war, sprang mit 5,71 Meter bis auf einen Zentimeter an seine persönliche Bestleistung heran und wurde deutscher Vizemeister. Anschließend versuchte sich der Athlet von Christine Adams (noch vergeblich) an 5,76 Meter und sogar an 5,81 Meter. Mit 5,71 Meter bestätigte „Bo“ aber ein weiteres Mal auf den Punkt die Norm für die Weltmeisterschaften in Doha (Katar) Ende September. Pech hatte Newcomer Torben Blech. Bei 5,41 Meter und 5,51 Meter demonstrierte er seine Stärke, indem er haushoch über die Latte sprang. Bei 5,61 Meter spielte der Wind dreimal nicht mit. Am Ende gewann der ehemalige Zehnkämpfer mit Bronze dennoch seine erste Medaille bei deutschen Einzelmeisterschaften. In diesem Jahr verbesserte sich der 24-Jährige auf 5,80 Meter und hat die WM-Norm somit ebenfalls schon in der Tasche. Sebastian Vogt komplettierte das Leverkusener Ergebnis mit 5,21 Meter und Rang neun.
Mit Silber und einer beeindruckenden Serie überzeugte Hammerwerferin Carolin Paesler. Jeder ihrer sechs Versuche flog über 65 Meter; ihr weitester Wurf landete erst bei 66,38 Meter. Damit sicherte sich die 28-Jährige hinter Charlene Woitha (SCC Berlin) silbernes Edelmetall. Ebenfalls einen starken Wettkampf präsentierte Michelle Döpke. Mit 60,48 Meter kam sie bis auf 80 Zentimeter an ihren Hausrekord heran und wurde in der Endabrechnung Fünfte. Ihr Disziplin- und Vereinskollege Tom Brack sorgte für eine weitere Leverkusener Platzierung unter den Top-Acht. Sein bester Versuch in Durchgang drei wurde mit 61,70 Meter gemessen - Platz sechs.
Yasmin Kwadwo, Jennifer Montag und die beiden Siebenkämpferinnen Anna Maiwald und Mareike Arndt drehten in der 4x100-Meter-Staffel auf. Nur dem erwartungsgemäß stärkeren Quartett von der MTG Mannheim (43,92 Sekunden) mussten sich die Leverkusenerinnen geschlagen geben. Sie durcheilten die Stadionrunde in 44,21 Sekunden und freuten sich am Ende über Silber. Das zweite TSV-Team mit Luisa Bodem, Imke Daalmann, Frieda Breitkopf und Maren Silies wurde mit 45,95 Sekunden Zehnte.
Auf den Punkt fit schickte Trainer Tobias Kofferschläger seine Athletinnen und Athleten in die Wettkämpfe. Über 400 Meter stellte Tobias Lange seine starke zweite Rennhälfte unter Beweis. Der 25-Jährige verbesserte seine Bestleistung auf 46,27 Sekunden und gewann damit die Bronzemedaille. Schickt der DLV (Deutscher Leichtathletikverband) eine 4x400 Meter Staffel zu den Weltmeisterschaften, dürfte „Tobi“ Lange spätestens nach seiner Leistung in Berlin ein Startplatz in Doha sicher sein. Sylvia Schulz qualifizierte sich am Samstag im Vorlauf über 400 Meter Hürden in 59,07 Sekunden für das Finale am Sonntag. Dort verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung auf 58,02 Sekunden und wurde dafür mit Platz fünf belohnt.
Knapp an einer Medaille vorbei, aber trotzdem einen mehr als beeindruckenden Wettkampf lief Sanaa Schretzmaier. Nach ihrer Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio entschied sich die 34-Jährige für eine prophylaktische Operation und wurde anschließend Mutter eines Sohnes. In diesem Jahr absolvierte sie auf ihrem Weg zurück in den Leistungssport nur ein Rennen über 3.000 Meter Hindernis und unterbot direkt die Norm für die deutschen Meisterschaften. In Berlin zeigte sie einen souveränen Lauf in 9:57,81 Minuten und wurde dafür, und auch für einen teils sehr steinigen Weg in den vergangenen Jahren, mit einem starken vierten Platz belohnt.
Diskuswerferin Marike Steinacker machte mit einer Verbesserung auf 63,24 Meter in diesem Jahr einen Quantensprung. Und auch im Berliner Olympiastadion demonstrierte die 27-Jährige ihr stabiles, neues Niveau. Gleich im ersten Versuch ließ sie ihr Arbeitsgerät auf 62,61 Meter fliegen und bestätigte damit noch einmal die WM-Norm (61,20 Meter). Im Endklassement bedeutete ihre Weite Rang vier.
Einen Wettkampf in Top-Form präsentierte Dreispringer und Neu-Leverkusener Christoph Garritsen. Im fünften Versuch flog er - trotz Gegenwind - so weit wie noch nie in dieser Saison. 15,25 Meter wurden für ihn gemessen. Am Ende fehlten ihm nur sechs Zentimeter zur Bronzemedaille. Benjamin Weßling belegte mit 14,29 Meter Rang elf.
Für eine Überraschung zu Beginn des ersten Meisterschaftstages sorgte Stabhochspringerin Ria Möllers. Mit 4,31 Meter flog sie sechs Zentimeter höher als jemals zuvor und freute sich über Rang vier. Katharina Bauer, zuletzt geplagt von einer hartnäckigen Rückenverletzung, belegte mit 4,11 Meter Platz sechs.
Einen tollen Wettkampf zeigte auch Kugelstoßer Jan Josef Jeuschede. Er bewahrte bis zum Schluss die Nerven und wuchtete die 7,257 Kilogramm schwere Kugel im sechsten und damit abschließenden Versuch auf 19,74 Meter. Damit blieb er nur zwölf Zentimeter unter seinem persönlichen Rekord und trat die Heimreise mit Rang vier im Gepäck an.
Dass Siebenkämpferinnen durchaus bei den Spezialistinnen mithalten können, bewiesen Mareike Arndt und Anna Maiwald. Beide Athletinnen qualifizierten sich nach souveränen Vorläufen in 13,55 Sekunden bzw. 13,44 Sekunden für das Finale. Dort wurde Mareike Arndt in 13,55 Sekunden Vierte. Für Anna Maiwald gingen 13,59 Sekunden und Platz sechs in die Ergebnisliste ein.
Ähnlich gute Nervenstärke wie Jan Josef Jeuschede bewies Marcel Kirstges im Weitsprung. Auch er flog im letzten Durchgang am weitesten und kam mit 7,54 Meter auf Platz vier. Der Neu-Leverkusener Matthis Leon Wilhelm wurde mit 7,19 Meter Zehnter.
Über 100 Meter zeigte Yasmin Kwadwo zwei Läufe auf einem ähnlich guten Niveau. In 11,39 Sekunden buchte sich die 28-Jährige einen Platz im Finale. Dort ließ sie die Uhr nach 11,42 Sekunden stoppen und wurde Fünfte.
Um Mehr als zwei Meter verbesserte Speerwerferin Charlotte Wissing ihren alten Hausrekord. Ihr Arbeitsgerät flog im dritten Durchgang auf 51,92 Meter - so weit wie noch nie in ihrer jungen Karriere. In der Endabrechnung bedeutete ihre Weite Platz sechs.
Weitspringer Caroline Klein erzielte im zweiten Versuch ihre Tagesbestweite von 6,17 Meter. Wie alle Weitspringerinnen kämpfte auch sie mit den teils stark wechselnden Winden. Am Ende wurde die 23-Jährige, die ihre persönliche Bestleistung in diesem Jahr auf 6,42 Meter verbesserte, in einer Zentimeterentscheidung starke Sechste.
Im 800-Meter-Finale der Frauen wurden die TSV-Vereinsfarben gleich von zwei Leverkusener Athletinnen vertreten. Nach guten Vorstellungen in den Vorläufen am Samstag knüpften Rebekka Ackers und Tabea Marie Kempe im Finale am Sonntagabend an ihre Leistungen vom Vortag an. Rebekka Ackers legte die zwei Stadionrunden in 2:06,69 Minuten zurück und wurde Sechste. Tabea Marie Kempe lief in 2:08,95 Minuten auf Rang acht.
Die 4x100-Meter-Staffel der Männer sprintete die Stadionrunde in 40,55 Sekunden. Hendrik Jürgens, Timo Lange, Jonas Breitkopf und Daniel Hoffmann wurden damit Siebte. Berit Scheid bescherte dem TSV über 1.500 Meter eine weitere Top-Acht-Platzierung. Sie ließ die Uhr nach 4:34,38 Minuten stoppen und wurde - zeitgleich mit der Siebtplatzierten - Achte.
Pech hatte Hürdensprinter René Mählmann im 110-Meter-Hürdenfinale. Lag er bei Hürde sieben noch gut im Rennen um die vorderen Plätze, knickte er kurz danach um und musste sich mit 14,22 Sekunden und Platz sechs zufrieden geben. Im Vorlauf stellte er mit 14,14 Sekunden eine neue Saisonbestleistung auf. Der U20-EM-Halbfinalist Tim Eikermann präsentierte sich bei seinem ersten Auftritt bei den „Großen“ gut und belegte im Finale in 14,22 Sekunden Rang sieben. Auch er war im Vorlauf mit 14,20 Sekunden sogar noch etwas schneller als im Endlauf unterwegs.
Ordentliche Auftritte zeigten auch Hochspringerin Carolin Gottschalk und Dreispringerin Imke Daalmann. Carolin Gottschalk flog über 1,75 Meter und musste sich erst bei ihrer persönlichen Bestleistung (1,80 Meter) geschlagen geben. Am Ende wurde sie Achte. Imke Daalmann sorgte mit 12,16 Meter und Rang elf für eine weitere Platzierung unter den besten zwölf.


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Kategorie: Sport
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