Steffi Nerius vergoldet in Ulm ihre letzte DM


Archivmeldung aus dem Jahr 2009
Veröffentlicht: 04.07.2009 // Quelle: TSV Bayer 04

Mit ihrer fünften Goldmedaille hat Europameisterin Steffi Nerius ihren letzten Auftritt bei einer Deutschen Meisterschaft gekrönt und damit für eine von insgesamt sieben Erfolgen für den TSV Bayer 04 Leverkusen gesorgt. Ihren vierten nationalen Titel holte Stabhochspringerin Silke Spiegelburg. Für Cathleen Tschirch war es über 200 Meter ebenso wie für Robin Schembera über 800 Meter der zweite Sieg. Ebenfalls auf dem höchsten Podestplatz landeten Sorina Nwachukwu auf der Stadionrunde sowie die weibliche 4x400-Meter-Staffel und das 4x100-Meter-Quartett der Männer. Hinzu kamen vier silberne und zwei bronzene Plaketten.

Entsprechend positiv fällt das Fazit von Leichtathletik-Abteilungsleiter Joachim Strauss aus: „In der deutschen Leichtathletik ist eine gewisse Aufbruchstimmung zu erkennen und Leverkusen ist mit sieben Titeln mittendrin. Besonders gefreut hat mich, dass Steffi Nerius zum Abschied gewonnen hat. Für die WM in Berlin bin ich nun optimistisch – mit Silke Spiegelburg und Jennifer Oeser haben auch zwei junge Leute Medaillenchancen.“

62,47 Meter aus dem ersten Versuch reichten Nerius zum Sieg gegen die bisher stärkste deutsche Werferin aus Offenburg, Christina Obergföll. „Meine Weite war heute nicht so dolle, aber das zählt bei Meisterschaften nicht. Ich freue mich, dass ich bei meiner letzten DM den Titel geholt habe“, erklärte die Olympia-Fünfte von Peking. „Am Dienstag werfe ich noch in Lausanne und danach geht es für zwei Wochen ins Trainingslager nach Kienbaum“, verriet die Olympia-Zweite von 2002 noch ihre Pläne in nächster Zeit.

Das zweite spannende Speerwurf-Duell hieß Katharina Molitor gegen Linda Stahl. Im Vorfeld war Stahl die stärkere der beiden mit einer Meldeleistung von 62,67 Meter. Schon im vergangenen Jahr war die Situation ähnlich, als es um die Qualifikation für Olympia ging. Auch in diesem Jahr kam Stahl nicht in den Wettkampf rein. Am Ende belegte die WM-Achte von Osaka nur Rang fünf mit 58,78 Meter. Katharina Molitor wusste hingegen erneut ihre letzte Chance zu nutzen und ergatterte womöglich mit 59,64 Meter ihr Last-Minute-Ticket für Berlin. „Was die WM angeht, so weiß ich nicht was Sache ist. Linda Stahl oder ich. Linda ist konstanter, dafür bin ich bei den ‚Deutschen’ besser gewesen“, sagte Molitor noch verunsichert über eine möglichen WM-Teilnahme.

Über 400 Meter war Sorina Nwachukwu die große Favoritin und stach: In 52,33 Sekunden holte sie sich den Titel. Die anvisierte WM-Norm (51,50 sec) verpasste die Olympia-Achte mit der 4x400-Meter-Staffel allerdings deutlich. Im Vorlauf schrammte sie dagegen in persönlicher Bestzeit um nur drei Hundertstelsekunden an der Qualifikationszeit vorbei: „Trotzdem bin ich sehr zufrieden und habe das gut hinbekommen. In erster Linie wollte ich Deutsche Meisterin werden.“ Dass es nicht für eine schnellere Zeit reichte, führte die 22-Jährige auf die Anspannung durch die ungewohnte Favoritenrolle zurück. Kurz vor Ende der Meisterschaften folgte für die Leverkusenerin dann die zweite Goldmedaille: In 3:35,35 Minuten lief sie als Schlussläuferin der 4x400-Meter-Staffel über den Zielstrich und zur Titelverteidigung.

Für Robin Schembera sah die Situation auf der doppelten Stadionrunde ganz ähnlich aus: Auch er war als Jahresschnellster angereist und enttäuschte nicht. In 1:46,53 Minuten konnte keiner seiner Konkurrenten seinem Schlussspurt Paroli bieten und die Titelverteidigung verhindern. 300 Meter vor dem Ziel schob sich der U20-Europameister auf Rang drei vor und übernahm wenig später die Führung. „Es war ein gemischtes Rennen. Am Anfang und Ende lief es gut.“ Dass es auch für ihn mit der Norm nicht geklappt hat, führt er vor allem auf die Wettkampfsituation zurück: „Es gibt nicht viele schnelle Rennen und man läuft immer nur gegen die Uhr.“ Die nächsten Angriffe auf die Norm sind für den Leverkusener die U23-EM und das Bayer-Meeting (31.07.).

Als Jahreszweite angereist, holte sich Silke Spiegelburg ihren vierten Deutschen Meistertitel im Stabhochsprung. Nachdem ihr Sieg mit 4,65 Metern bereits feststand, ließ die Deutsche Hallenrekordlerin (4,75 m) mit 4,78 Metern auch einen neuen Freiluftrekord auflegen. „Gerade der letzte Versuch war verdammt knapp. Das waren meine besten Deutschen Meisterschaften“, sagte Spiegelburg.

Für Cathleen Tschirch war es über 100 Meter erst Rang vier (11,42 sec), dann folgte mit der 4x100-Meter-Staffel zusammen mit Anne-Kathrin Elbe, Mareike Peters und Katrin Krause Silber (44,61 sec), und zuletzt stand sie auf ihrer Spezialdisziplin ganz oben auf dem Podest. In Saisonbestleistung von 23,36 Sekunden holte die Sportsoldatin nach 2007 ihren zweiten Titel. Dabei war Tschirch im Vorfeld noch sehr vorsichtig gewesen und freute sich über den ausgefallen Vorlauf: „Zwei Wochen vor den Meisterschaften habe ich mich in der rechten Wade verletzt und zittere jeden Tag, dass der Muskel hält. Nun ist die Einzelnorm für Berlin noch immer mein Ziel.“

Nur wenige Minuten später kam auf der gleichen Distanz bei den Männern für Aleixo-Platini Menga in 20,65 Sekunden Bronze hinzu „Ich habe früh Druck gemacht, aber am Ende fehlte die Kraft, um den zweiten Platz zu machen.“ Obwohl Menga mit der besten Vorleistung anreiste, war er über den Platz und die Zeit nicht enttäuscht: „Man muss aus so einem Rennen auch lernen. Ich bin als Favorit gestartet und zufrieden.“ Nun blickt der 21-Jährige auf seinen nächsten Höhepunkt voraus: Bei der U23-EM will er eine Medaille holen und Bestzeit laufen.

Einen souveränen Sieg lief Menga dagegen für die 4x100-Staffel heraus. Bereits 20 Meter vor dem Ziel war er sich seines Erfolges sicher und riss die Faust in die Luft: „Ich wusste, dass ich das Ding hinten raus gewinnen würde und habe so meine Freude über den Lauf ausgedrückt“, bemerkte er. Zusammen mit Daniel Brischke, Stefan Wieser und Florian Sürth lief das Quartett in 39,68 Sekunden zum Titel.

Sechs Zentimeter liegt Hammerwerfer Markus Esser in der Deutschen Bestenliste vor Sergej Litinov (LG Eintracht Frankfurt), doch bei den Deutschen Meisterschaften hatte der Leverkusener mit acht Zentimetern das Nachsehen gegenüber dem Frankfurter. Entsprechend fällt das Resümee des dreimaligen Deutschen Meisters aus: „Dass ich heute nur zweiter geworden bin, ist das Eine. Aber was ich heute gezeigt habe, war absoluter Mist“, bemerkte Esser ganz direkt. Im letzten Durchgang blickte Esser seinem Wurf zwar noch einmal hoffnungsvoll hinterher, doch es wurde keine Verbesserung für ihn. „Der Wurf fühlte sich weiter an als er war“, erklärte Esser. Bei 75,85 Metern blieb der Hammer liegen, so dass es für ihn bei 76,38 Metern aus dem vierten Durchgang blieb.

„Ich habe heute eine gute Visitenkarte für Berlin abgegeben“, stellte Tobias Scherbarth nach einer engen Stabhochsprung-Entscheidung fest. Der Hallen-Europacup-Dritte meisterte ebenso wie Alexander Straub (LG Filstal) im ersten Versuch 5,70 Meter und erfüllte damit die WM-Norm für Berlin (15.-23.08.) genau. „Direkt nach meinem Fehlversuch habe ich mich geärgert, aber nun denke ich, dass ich für Berlin optimistisch sein darf.“ Erst nach drei Höhen im Stechen fiel letztendlich Straub der Sieg und Scherbarth damit die Silbermedaille zu.

Über 800 Meter verpasste Annett Horna nur knapp die große Überraschung. Erst auf den letzten 100 Metern wurde die Deutschen Hallenmeisterin von Janina Goldfuß abgefangen und mit 2:04,53 Minuten auf Platz zwei verwiesen. „Es war so knapp. Echt schade, aber ich gönne es auch Janina“, sagte Horna sichtlich erschöpft. Nach zwei dritten Plätzen bei Deutschen Freiluftmeisterschaften, war die Silbermedaille Hornas bestes Meisterschaftsergebnis bisher. Auch Trainer Adi Zaar war mit dem Rennen zufrieden: „Annett hat taktisch sehr gut nach 600 Metern die Führung übernommen und konnte so vermeiden eingekeilt zu werden.“ Für die 22 Jahre alte Lehramts-Studentin geht es in zwei Wochen weiter mit der U23-Europameisterschaft in Kaunas (Litauen; 16.-19.07.) und da hat Horna den Finallauf ins Visier genommen.

Alle Leverkusener Top-Acht-Platzierungen im Überblick:

Männer: 200 Meter: 3. Aleixo-Platini Menga 20,65 sec; 800 Meter: 1. Robin Schembera 1:46,53 min; Hochsprung: 7. Sebastian Kneifel 2,14 m; Stabhochsprung: 2. Tobias Scherbarth, 6. Hendrik Gruber 5,50 m, 7. Michel Frauen 5,50 m; Hammerwurf: 2. Markus Esser 76,38 m, 4. Benjamin Boruschewski 72,99 m, 5. Sven Möhsner 71,94 m; 4x100 Meter: 1. TSV Bayer 04 (Brischke, Wieser, Sürth, Menga) 39,68 sec.

Frauen: 100 Meter: 4. Cathleen Tschirch 10,42 sec (VL: 10,38 sec); 200 Meter: 1. Cathleen Tschirch 23,36 sec, 4. Mareike Peters 23,93 sec, 6. Katrin Krause 24,55 sec; 400 Meter: 1. Sorina Nwachukwu 52,33 sec (VL 51,53 sec); 800 Meter: 2. Annett Horna 2:04,53 min; 1500 Meter: 6. Saskia Janssen 4:23,38 min; 5000 Meter: 8. Christina Kröckert 16:58,29 min; 100 Meter Hürden: 4. Anne-Kathrin Elbe 13,36 sec (VL: 13,31 sec), 8. Jennifer Oeser 13,61 sec (VL: 13,43 sec); Hochsprung: 5. Julia Hartmann 1,84 m; Stabhochsprung: 1. Silke Spiegelburg 4,65 m; Speerwurf: 1. Steffi Nerius 62,47 m, 3. Katharina Molitor 59,64 m, 5. Linda Stahl 58,78 m; 4x100 Meter: 2. TSV Bayer 04 (Elbe, Tschirch, Peters, Krause) 44,61 sec; 4x400 Meter: 1. TSV Bayer 04 (Wilden, Horna, Hansen, Nwachukwu) 3:35,35 min.

Die kompletten Ergebnislisten gibt es unter www.leichtathletik.de.


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Kategorie: Sport
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