Hallen-DM: Staffel-Gold erst in der Diskussion gesichert


Archivmeldung aus dem Jahr 2007
Veröffentlicht: 19.02.2007 // Quelle: TSV Bayer 04

Das Leverkusener Medaillenrennen der Geschlechter bei den Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig ist 5:5-Unentschieden ausgegangen. Nachdem es die Männer am ersten Tag viermal aufs Podest geschafft hatten, legten die Damen am Sonntag nach und führten bis zur abschließenden 4x400-Meter-Staffel mit 5:4, ehe das Staffel-Quartett der Männer das zweite Gold für Bayer 04 nach dem vom Samstag durch Weitspringer Nils Winter holte. Die fünf Silbermedaillen gingen an die Stabhochspringer Danny Ecker und Silke Spiegelburg, Weitspringer Sebastian Bayer, 200-Meter-Läuferin Mareike Peters und Hochspringerin Julia Hartmann. Auf die drei Bronzeränge kamen Hochspringer Sebastian Kneifel, Hürdensprinterin Anne-Kathrin Elbe und 800-Meter-Läuferin Annett Horna. Das Vorjahresergebnis mit einer Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen wurde deutlich übertroffen.

In 400-Meter-Läufer Ingo Schultz für die Staffel sowie Ecker, Winter, Hartmann und Spiegelburg in den Einzel-Disziplinen können nun fünf Bayer-04-Athleten auf ein Ticket für die Hallen-EM im britischen Birmingham (2. bis 4. März) hoffen. Die Nominierung fand am Sonntagabend statt, sie wird im Laufe des Montags bekannt gegeben.

3:10,45 Minuten auf der Bahn und danach fast eine Stunde lang in der Diskussion mit Kampfrichtern und Gegnern musste das Bayer-04-Quartett mit Stefan Wieser, Julian Geißhirt, Robin Schembera und Ingo Schultz kämpfen, ehe ihm das 4x400-Meter-Gold endgültig sicher war. Nach einer Rangelei zwischen Geißhirt und dem Berliner Ralf Riester vor dem ersten Wechsel legten die zweitplatzierten Männer vom OSC Berlin Protest ein und hofften so, noch am Grünen Tisch zum Sieg zu kommen. Erst nach langem Hin und Her gaben die Hauptstädter auf. „Die Berliner sagten, der angebliche Schubser von Julian sei zwar eine Unsportlichkeit gewesen, die aber keine Auswirkung auf das sportliche Ergebnis gehabt hat, deshalb haben sie ihren Protest zurückgezogen“, erklärte Trainer Axel Berndt. Zufrieden war Ingo Schultz: „Damit ist das Wochenende versöhnlich zu Ende gegangen, nachdem wir über 4x200 Meter disqualifiziert worden waren.“

Für einen Doppelerfolg sorgten die Weitspringer. Gleich im zweiten Durchgang erzielte Nils Winter die Siegesweite von 7,91 Metern und übertraf damit erstmals die Birmingham-Norm – um einen Zentimeter. „Heute musste man mit mir rechnen. Ich habe mir die Norm vorgenommen und mich gut gefühlt. Der Druck war zwar groß, aber damit kann ich gut umgehen“, sagte Winter. Beim Zweiten Sebastian Bayer überwog dagegen der Frust über die 7,88 Meter. „Ich bin enttäuscht, dass für Birmingham zwei Zentimeter gefehlt haben“, meinte Bayer, der im vergangenen Jahr im Freien seinen ersten Meistertitel geholt hatte.

Auch für Silke Spiegelburg (4,45 m) reichte es wieder nicht ganz für Gold bei nationalen Titelkämpfen unterm Dach. In Leipzig holte sich die 20-Jährige nun schon ihre fünfte Silbermedaille in Jugend- und Aktivenklasse. „Ich bleibe wohl die ewige Zweite in der Halle, das war schon immer so“, klagte die Stabhochspringerin, die außerdem mit den misslungenen Versuchen über die Bestleistung von 4,60 Metern haderte: „Es ärgert mich, weil ich weiß, dass ich die Höhe springen kann.“ Bei all dem Frust ragte aber das gesicherte Hallen-EM-Ticket als positives Ergebnis hervor. Der Sieg ging an Studenten-Weltmeisterin Julia Hütter (LAZ Bruchköbel/4,55 m).

Ein ganz anderes Bild bot die Zweitplatzierte Mareike Peters nach ihrem 200-Meter-Rennen. Sie strahlte mit der durchs Hallendach schauenden Sonne um die Wette und konnte ihre Steigerung auf 23,50 Sekunden kaum glauben. „Vor der Saison hätte ich nie gedacht, dass ich so schnell laufe. Das ist unfassbar“, meinte Peters, die im Sommer erstmals unter 24 Sekunden geblieben war und sich in Leipzig nur der Europäische Jahres-Bestzeit laufenden Cathleen Tschirch von der LG Weserbergland (23,19 sec) geschlagen geben musste.

Hochspringerin Julia Hartmann verpasste ihren ersten Titel in der Halle nach der zwischenzeitlichen Führung bei 1,90 Meter knapp, weil die Frankfurterin Ariane Friedrich noch zwei Zentimeter drauflegte. „Mit dem Ergebnis kann man aber absolut zufrieden sein, denn die Höhe stimmte“, bilanzierte Trainer Jörn Elberding.

Nach einem denkbar knappen Zieleinlauf mit reichlich Verwirrung, ob es Platz zwei, drei oder vier geworden ist, freute sich 800-Meter-Läuferin Annett Horna schließlich über die Bronzemedaille: „Ich hatte auf den dritten Rang gehofft und bin total glücklich“, sagte Horna, die 2:09,90 Minuten brauchte.

Ebenfalls Silber gewann Danny Ecker in einem hochkarätigen Stabhochsprung-Wettkampf der Männer, wo ihm selbst sehr gute 5,80 Meter nicht zum Sieg reichten, da der überragende Dormagener Björn Otto seine eigene Jahres-Weltbestmarke um zwei Zentimeter auf 5,90 Meter verbesserte. Dafür zollte ihm Ecker den gebührenden Respekt: „Gegen Björn ist im Moment kein Kraut gewachsen. Ich bin zum dritten Mal in dieser Saison über 5,80 Meter gesprungen und damit zufrieden.“ Trotz solider 5,70 Meter reichte es für Lars Börgeling nur zu Platz fünf. Sein Hallen-EM-Start ist damit passé. Mit einem persönlichen Rekord von 5,50 Metern beeindruckte Nachwuchsspringer Hendrik Gruber als Sechster.

Nur einige Tausendstelsekunden trennten über 60 Meter Hürden der Frauen die Plätze drei bis fünf. Anne-Kathrin Elbe war die entscheidenden Zentimeter vor ihren Konkurrentinnen und wurde in 8,26 Sekunden Dritte. Seine erste Medaille bei nationalen Titelkämpfen erkämpfte sich in Leipzig überraschend Sebastian Kneifel im Hochsprung. 2,14 Meter, die der 23-Jährige im dritten Versuch überquerte, waren dafür nötig. Als Vierte verpasste Kerstin Marxen (4:26,99 min) im Schlussspurt knapp das Podest.

Kein Glück hatte Bayer 04 bei den beiden als Mitfavoriten angereisten 4x200-Meter-Staffeln. Die Frauen wurden im Vorlauf wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert, die Männer wegen eines misslungenen Wechsels.

Die Leverkusener Top-Acht-Platzierungen der beiden DM-Tage:

Männer: 60 Meter: 6. Aleixo-Platini Menga 6,77 sec (Zwischenlauf: 6,73 sec), 8. Rasgawa Pinnock 6,79 sec (Vorlauf: 6,73 sec); 4x200 Meter: 1. Stefan Wieser – Julian Geißhirt – Robin Schembera – Ingo Schultz 3:10,45 sec; Hochsprung: 3. Sebastian Kneifel 2,14 m; Weitsprung: 1. Nils Winter 7,91 Meter, 2. Sebastian Bayer 7,88 m; Stabhochsprung: 2. Danny Ecker 5,80 m, 5. Lars Börgeling 5,70 m, 6. Hendrik Gruber 5,50 m, 8. Richard Spiegelburg 5,50 m.

Frauen: 200 Meter: 2. Mareike Peters 23,50 sec; 800 Meter: 3. Annett Horna 2:09,90 min; 1500 Meter: 4. Kerstin Marxen 4:26,99 min; 60 Meter Hürden: 3. Anne-Katrin Elbe 8,26 sec; Hochsprung: 2. Julia Hartmann 1,90 m; Stabhochsprung: 2. Silke Spiegelburg 4,45 m.

Die kompletten Ergebnislisten gibt es unter www.leichathletik.de.


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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