Sebastian Bayer überrascht mit Titelgewinn bei den „Großen“


Archivmeldung aus dem Jahr 2006
Veröffentlicht: 16.07.2006 // Quelle: TSV Bayer 04

Leverkusens Trümpfe stachen am ersten Tag der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Speerwerferin Steffi Nerius, Hochspringerin Julia Hartmann, Stabhochspringer Lars Börgeling und Weitspringer Sebastian Bayer gewannen in Ulm die Goldmedaille. Außerdem gab es für den TSV Bayer 04 noch je zwei silberne und bronzene Plaketten.

Die Freude von Steffi Nerius über ihren fünften nationalen Titelgewinn war schier grenzenlos. Nach einem Sprint zu ihrem Trainer Helge Zöllkau und einer herzlichen Umarmung, lief die Speerwerferin jubelnd in die Mitte des Stadions. Und zwar dahin, wo der Speer beim letzten und besten Versuch landete: bei 65,71 Meter. In ihrem erst dritten Saisonwettkampf verbesserte sich die 34-Jährige auf Rang drei der globalen Bestenliste und ließ die Weltbeste in dieser Saison, Christina Obergföll (Offenburg/64,07 m), hinter sich. Annika Suthe landete mit 58,82 Metern auf Platz drei.

Für die größte Überraschung aus Leverkusener Sicht sorgte Weitspringer Sebastian Bayer, der sich mit neuer persönlicher Bestleistung von 7,95 Metern seinen ersten Titel bei den Aktiven sicherte. Der 20-Jährige absolvierte dabei erst seinen zweiten Saisonwettkampf und schrammte um fünf Zentimeter an der Norm für die Europameisterschaften im schwedischen Göteborg (6.-13. August) vorbei. „Dass ich heute den Wettkampf gewinne, hätte ich niemals gedacht. Ich bin überwältigt. Das ist mein größter Erfolg bei den ‚Großen’“, meinte Bayer. Im vergangenen Jahr erlitt er in Kaunas (Litauen), wo er U20-Vize-Europameister wurde, eine schwere Fußverletzung, die ihn lange außer Gefecht setzte. EM-Kandidat Nils Winter landete mit 7,59 Meter nur auf den siebten Rang.

Einen Leverkusener Doppelsieg steuerten die Stabhochspringer bei. Lars Börgeling übersprang 5,75 Meter und feierte nach 2002 seinen zweiten Deutschen Meistertitel. Dahinter meldete sich Richard Spiegelburg nach einigen mäßigen Wettkämpfen mit 5,70 Meter eindrucksvoll auf Rang zwei zurück. „Die 5,75 Meter sind bei diesen schwierigen Bedingungen sehr hoch einzustufen. Es war ein taktisches Springen, in dem es nur um die Meisterschaft ging. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg für Göteborg“, erklärte Börgeling zufrieden.

Während Börgeling und der Kölner Tim Lobinger (Dritter/5,60 m) einen Startplatz in Göteborg sicher haben, muss der Vizemeister die Nominierung abwarten. „Was der Bundestrainer aus diesem Ergebnis macht, weiß ich nicht. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken“, erklärte Spiegelburg. Sein ärgster Konkurrent um das dritte EM-Ticket, der Kornwestheimer Fabian Schulze, schied bei windigen Bedingungen ohne gültigen Versuch aus.

Überzeugend ersprang sich Julia Hartmann ihren ersten nationalen Meistertitel bei den Frauen. Bis zur Siegeshöhe von 1,90 Metern leistete sich die 20-Jährige keinen Fehlversuch. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Es ist ein tolles Gefühl gewonnen zu haben“, sagte Hartmann nach ihrem Triumph freudestrahlend. Auch die Enttäuschung über die nicht erfüllte EM-Norm von 1,93 Meter hielt sich in Grenzen: „Es wäre durchaus möglich gewesen, ich kann die 1,93 Meter auf jeden Fall springen.“

Zu Ende des Wettkampfes kochten die Emotionen bei Trainer Jörn Elberding und dem leitenden Bundestrainer Jürgen Mallow noch mal richtig hoch. Die Versuche über die Göteborg-Norm kollidierten mit den Startschüssen der 400-Meter-Hürden-Vorläufen. Bei den ganzen Irritationen versäumte Hartmann ihren zweiten Versuch und musste anschließend minutenlang auf ihren dritten Anlauf warten. Mallow und Elberding diskutierten aufgeregt mit den Kampfrichtern, die ihrer Meinung nach „unsensibel“ agierten. Gute Nachrichten verkündete Elberding dann noch nach dem Sieg seines Schützlings: „Die Bundestrainerin wird Julia für die EM vorschlagen. Die Chancen stehen 50:50, dass sie mitfährt.“

Dank ihres zweiten Platzes und 69,33 Meter in Ulm hat sich Hammerwerferin Susanne Keil einen Startplatz bei der EM gesichert. Die geforderte Weite von 69,50 Meter erfüllte die WM-Zweite im Vorfeld bereits zwei Mal. „Die Platzierung ist okay. Mit der Weite bin ich nicht ganz zufrieden. Schöner wären 71 Meter gewesen“, erklärte Keil und freute sich, ihre vorrangige Absicht erfüllt zu haben: „Das Ziel, das Ticket für Göteborg zu sichern, habe ich erreicht.“

Auf den Bronzerang lief das 4x100-Meter-Quartett der Frauen. Das Bemerkenswerte: In Sorina Nwachukwu und Anne-Kathrin Elbe liefen zwei Athletinnen mit, die noch der Jugend angehören. Und auch Katharina Naumann und Mareike Peters sind noch in der U23 startberechtigt.

Für ihren jeweiligen Endlauf am Sonntag qualifizierten sich die 400-Meter-Läufer Ingo Schultz und Caroline Dieckhöner, Kerstin Marxen über 1500 Meter, Youngster Annett Horna über 800 Meter, 400-Meter-Hürdensprinterin Maren Schott und die 3x1000-Meter-Staffel der männlichen Jugend. Mit Medaillenchancen starten am Sonntag außerdem Hammerwerfer Markus Esser, Hochspringer Roman Fricke und Stabhochspringerin Silke Spiegelburg.


Die Leverkusener Top-Acht-Platzierungen des ersten Wettkampftages:

Männer: 100 Meter: 6. Stefan Wieser 10,62 sec; 5000 Meter: 4. Mario Kröckert 14:00,73 min; 4x100-Meter-Staffel: 4. TSV Bayer 04 (Daniel Brischke, Stefan Wieser, Peter Schnabel, Sebastian Bayer) 40,50 sec; Weitsprung: 1. Sebastian Bayer 7,95 m, 4. Schahriar Bigdeli 7,68m, 7. Nils Winter 7,59 m; Stabhochsprung: 1. Lars Börgeling 5,75 m, 2. Richard Spiegelburg 5,70 m, 4. Danny Ecker 5,50 m, 5. Malte Mohr 5,50 m, 8. Tobias Scherbarth 5,40m;

Frauen: 5000 Meter: 4. Melanie Kraus 16:25,98 min; 4x100-Meter-Staffel: 3. TSV Bayer I ( Anne-Kathrin Elbe, Sorina Nwachukwu, Mareike Peters, Katharina Naumann) 45,34 sec, Hochsprung: 1. Julia Hartmann 1,90 m; Speerwurf: 1. Steffi Nerius 65,71 m, 3. Annika Suthe 58,82 m, 6. Linda Stahl 55,50 m, 8. Katharina Molitor 54,81 m; Hammerwurf: 2. Susanne Keil 69,33 m, 7. Bianca Achilles 62,77 m.


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Kategorie: Sport
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