Ein kurzer Blick auf die Nachricht, das Tippen auf dem Display oder das Handy direkt am Ohr: Was für viele Autofahrende nach einer schnellen Nebensache aussieht, sorgt im Stadtverkehr für erhebliche Risiken. Im Rahmen der bundesweiten Clubinitiative „Kopf hoch!“ hat der ACE-Kreis Köln nun auch in Leverkusen die Ablenkung durch Smartphones genau unter die Lupe genommen.
Die ehrenamtlichen Helfer postierten sich für den Check an der Kreuzung Willy-Brandt-Ring und Mülheimer Straße. Während einer 30-minütigen Beobachtungsphase nahmen sie ausschließlich eine Fahrtrichtung ins Visier. Das Ergebnis mahnt zur Vorsicht: Von den insgesamt 471 gezählten Fahrzeugen wiesen 29 Fahrerinnen und Fahrer ein deutliches Fehlverhalten auf.
„Beobachtet haben wir das In-die-Hand-Nehmen des Smartphones, das Tippen auf dem Display und das Ans-Ohr-Halten“, berichtet Klaus-Dieter Oleksin, Zweiter Vorsitzender des ACE-Kreis Köln. Rechnerisch bedeutet dies, dass fast jede Minute eine Person am Steuer durch ihr Mobiltelefon abgelenkt war. Laut Oleksin stellt diese Quote eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden dar.
Wie riskant die Ablenkung tatsächlich ist, verdeutlicht der ACE mit einer einfachen Rechnung zum Anhalteweg. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur zwei Sekunden lang auf sein Handy schaut, legt in dieser Zeit rund 28 Meter im „Blindflug“ zurück. Selbst bei Tempo 30 sind es noch etwa 17 Meter – eine Strecke, die mehrere Autolängen umfasst. Besonders für ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer oder Fußgänger kann diese kurze Unaufmerksamkeit fatale Folgen haben.
Die Statistik unterstreicht die Problematik: Im Jahr 2024 wurde laut Statistischem Bundesamt bei 8.722 Unfällen mit Personenschaden Ablenkung als Ursache festgestellt. In 1.039 Fällen war nachweislich die Nutzung elektronischer Geräte der Auslöser. Bundesweit verloren dabei 25 Menschen ihr Leben.
Neben der körperlichen Unversehrtheit riskieren uneinsichtige Fahrer auch empfindliche rechtliche Konsequenzen. Tolga Kaya, Regionalbeauftragter des ACE in Nordrhein-Westfalen, stellt klar: „Schon der einfache Verstoß wird mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt geahndet.“ Sollte es durch die Ablenkung zu einer Gefährdung anderer oder gar zu einem Unfall kommen, steigen die Strafen deutlich an. In solchen Fällen drohen neben höheren Bußgeldern weitere Punkte in Flensburg sowie ein Fahrverbot.
Seit April 2026 führen rund 700 Ehrenamtliche des ACE bundesweit an über 250 Kreuzungen diese Kontrollen durch. Ziel der Initiative ist es, ein stärkeres Bewusstsein für verantwortungsvolles Verhalten im Straßenverkehr zu schaffen. Die vollständigen Ergebnisse der bundesweiten Auswertung werden im Herbst veröffentlicht.
Weitere Informationen zur Clubinitiative sowie Tipps für eine sichere Fahrt finden Interessierte unter www.ace-clubinitiative.de oder auf der Hauptseite des ACE Auto Club Europa.