Die Städte Leverkusen, Wuppertal, Solingen, Remscheid und Langenfeld intensivieren ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen Kriminalität und den Missbrauch von Sozialleistungen. Am 14. April 2026 fand im Wuppertaler Rathaus das erste große Vernetzungstreffen der neu gegründeten „Gemeinsamen Koordinierungsstelle Rhein-Wupper“, kurz GeKo, statt. Zahlreiche Partnerbehörden nahmen teil, um die künftige Schlagkraft der Allianz zu festigen.
Das Treffen gilt als Meilenstein für die interkommunale Zusammenarbeit. Neben den Spitzen der lokalen Polizeiinspektionen und Kriminaldirektionen waren auch das Landeskriminalamt NRW sowie das Bundeskriminalamt vertreten. Das Netzwerk wird zudem durch die Hauptzollämter, die Staatsanwaltschaft, die Familienkasse NRW West und die Jobcenter verstärkt.
Ziel der GeKo ist es, Expertenwissen zu teilen und Synergien zu schaffen. Stefan Grawe, Geschäftsführer der GeKo, betonte die Vorteile des interkommunalen Vertrages: Trotz unterschiedlicher Strukturen könnten die beteiligten Städte massiv voneinander lernen. Die Arbeit erfolgt künftig in Arbeitskreisen, die unabhängig von einzelnen Personen agieren.
Die Themenfelder der GeKo sind breit gefächert. Im Visier stehen insbesondere:
Gerold Wenzens, Bürgermeister von Langenfeld, warnte in diesem Zusammenhang vor den Folgen dubioser Immobiliengeschäfte. Wenn Geldwäsche hinter Investments stecke, würden Objekte oft vernachlässigt, was seriöse Mieter vergraule und den Wettbewerb verzerrre.
Wie dringlich das Thema ist, zeigte sich unmittelbar nach dem Treffen: Am Morgen des 15. April 2026 führte die Stadt Leverkusen erneut Kontrollen an verschiedenen Wohnanschriften durch. Aufgrund unterschiedlicher Verdachtsmomente wurden dabei mehrere Fälle von Scheinanmeldungen festgestellt.
Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel sieht in der städteübergreifenden Vernetzung die einzige Möglichkeit, negativen Entwicklungen wirksam zu begegnen. „Die Tätergruppen machen ja auch nicht vor Stadtgrenzen und Ländergrenzen halt“, so Hebbel. Der Schutz der Kommunalfinanzen durch die Vorbeugung von Leistungsmissbrauch sei ein Ansatz, der allen Beteiligten weiterhelfe.
Das Bündnis setzt stark auf präventive Maßnahmen. Durch die Verhinderung von Falschanmeldungen oder missbräuchlichen Vaterschaftsanerkennungen sollen andere Behörden und der Staat langfristig entlastet werden. Prof. Dr. Christof Muthers von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW bezeichnete das Konzept der GeKo als bislang einmalig, mahnte jedoch an, dass die vorhandenen Informationen der Ämter rechtmäßig verknüpft werden müssen.
Die Arbeit der GeKo wird durch eine Lenkungsgruppe aus Beigeordneten und Ordnungsamtsleitungen gesteuert. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW.
Für den Herbst ist bereits eine gemeinsame Fachtagung zum Thema Sozialleistungsmissbrauch mit der Sicherheitskooperation Ruhr geplant. Zudem signalisierten weitere Städte bereits Interesse, dem Netzwerk beizutreten, was künftig auch einen Ausbau der Geschäftsstellenstruktur erforderlich machen könnte.