Stadtplan Leverkusen
11.12.2004 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Sonja Oberem genießt das Leben als „Sportpensionärin“


Nach über 14 Jahren Hochleistungssport, in denen sie stets in der Weltspitze mitmischte, hat die Mönchengladbacherin im Trikot des TSV Bayer 04 Leverkusen beim Berlin Marathon am 26. September 2004 ihre Karriere beendet.

Als Anfang Dezember in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach die Sportler des Jahres geehrt wurden, da stand Sonja Oberem noch einmal ganz oben auf dem Treppchen. „Das war schon ein komisches Gefühl. Immerhin bin ich zu diesem Zeitpunkt bereits zweieinhalb Monate lang Sportpensionärin gewesen“, erzählt Deutschlands erfolgreichste Langstreckenläuferin der vergangenen Jahre, die am 26. September 2004 bei einer Veranstaltung Abschied vom Hochleistungssport genommen hatte, bei der sie ihre Laufkarriere im Jahr 1993 einst startete: beim Berlin Marathon.

„Das war keine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Sie war lange vorher geplant, auch wenn ich darüber nicht gesprochen habe, weil das nicht meine Art ist“, sagt die EM-Dritte von 2002 rückblickend. Eigentlich wollte sie ihr letztes Rennen bei den Olympischen Spielen bestreiten, wurde jedoch vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) nicht für Athen berücksichtigt. Und das trotz einer starken Leistung beim Wien Marathon (16. Mai). Diesen beendete Oberem, die bis zu ihrer Heirat im Jahr 1997 Sonja Krolik hieß, nach nur fünfwöchiger Vorbereitung in 2:30:58 Stunden auf Platz drei. 58 Sekunden fehlten zur deutschen Olympianorm, die Hoffnung indes blieb.

Lange ließ sie das NOK daraufhin warten. Die Entscheidung zu ihren Ungunsten fiel erst am 19. Juli. Nach Bekanntgabe der Nichtnominierung entschied sich Oberem für einen Start in Berlin und erkor die Hauptstadt zur Endstation ihrer Karriere: „Ich wollte das Training und die gute Form nicht verpuffen lassen, habe aber gemerkt, dass ich schon über der Zeit war. Es war hart an der Grenze und hätte auch in die Hose gehen können.“

Ging es aber nicht, obwohl der Berlin Marathon fünf Wochen nach dem vorbereiteten Termin des Olympia-Rennens lag. Als Drittplatzierte kam Oberem mit 2:26:53 Stunden noch einmal bis auf 40 Sekunden an ihre im Jahr 2001 aufgestellte persönliche Bestleistung heran. „Ich wollte noch einmal meine Leistung zeigen und mich beweisen.“

Als einzige Marathonläuferin der Welt nahm die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startende Diplom-Kauffrau von 1995 bis 2002 an allen olympischen, WM- und EM-Marathons teil, belegte bei ihrer Premiere im Nationaltrikot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) 1995 bei der WM in Göteborg Rang acht und überquerte ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Atlanta ebenfalls als Achte die Ziellinie. 1997 wurde sie in Athen WM-Siebte, 1999 in Sevilla Sechste, 2001 in Edmonton Fünfte.

Die langersehnte Medaille gewann die ehemalige Triathletin dann 2002 bei der EM in München. „Das war ein tolles Erlebnis, obwohl es eines meiner härtesten Rennen gewesen ist. Da hatte ich nicht meinen besten Tag.“ Den, so sagt Oberem, erwischte sie im April 2001 beim Hamburg Marathon. 2:26:13 Stunden zeigten die Uhren, als sie ins Ziel kam. Damit ist sie bis heute Vierte der ewigen deutschen Bestenliste. „Das war ein perfektes Rennen.“ In der Zeit danach sei ihr das Training jedoch zunehmend schwerer gefallen. „Es artete immer mehr in Arbeit aus. Ich habe nur noch meinen Plan abgearbeitet.“

Mittlerweile ist Sport wieder reiner Spaß. „Ich mache noch jeden Tag etwas, trainiere kontinuierlich ab. Aber ich muss nicht mehr bei Schnee und Regen laufen. Dann setze ich mich eben auf meinen Ergometer.“ Den bezog Oberem, die nun verstärkt im elterlichen Eisenwaren- und Holzgroßhandel mitarbeitet und zudem ihre Mutter in ihrem Laden für Gartenmöbel und Geschenkartikel unterstützt, schon immer in ihr Training ein. „Während meines Studiums habe ich darauf sogar gelernt.“

In den zurückliegenden Wochen habe sie schon einen recht großen Abstand zum Sport gewonnen, wundert sich die ehedem von Paul Heinz Wellmann trainierte Athletin: „Der Anschluss ist irgendwie verloren gegangen. Man kriegt nicht mehr alles mit. Aber es fehlt mir auch nichts. Mir geht es sehr gut dabei.“ Die Entscheidung aufzuhören, sei eine „Entscheidung für die Firma und für die Familie“ gewesen.

Fast 14 Jahre ist Sonja Oberem im Hochleistungssport unterwegs gewesen und mischte dabei stets in der Weltspitze mit. Erst als Triathletin, wobei sie unter anderem von 1990 bis 1992 dreimal hintereinander Junioren-Welt- und Europameisterin wurde, zudem 1992 und 1994 auf der Kurzstrecke den EM-Titel in der Aktivenklasse gewann, dann als Leichtathletin. Vier große Städtemarathons, 2001 und 2002 jeweils in Hamburg und Athen, beendete sie als Siegerin, holte zudem fünf nationale Meistertitel auf Straße, Bahn und im Gelände.

Doch Premiere und Abschied feierte sie beim Berlin Marathon. Zum ersten 42,195-Kilometer-Rennen war sie dabei aus einer Laune heraus gekommen. „Mein Mann hatte mit seinen Freunden gewettet, dass er einen Marathon läuft. Da bin ich mit.“ Und so stand Oberem 1993 in Berlin nach einer kurzen Nacht, die sie bis 3 Uhr noch im Kabarett verbracht hatte, um dann zum Schlafen in eine Turnhalle zu gehen, etwas müde an der Startlinie. „Erst hatte ich mich für den Rheydter Schwimmverein angemeldet, in dem ich Mitglied war.“ Doch kurz vor Beginn ging Sonja Oberem noch einmal ins Meldebüro und ließ sich auf den TSV Bayer 04 Leverkusen umschreiben, dem sie seit 1993 angehörte. Und noch eine kleine Bitte hatte sie: „Ich habe gefragt, ob ich mich nicht weiter nach vorne stellen könnte, denn mein Ziel war eine Zeit um 2:45 Stunden. Die Mitarbeiter dort dachten bestimmt, was ist denn das für eine.“

Sie mögen es gedacht haben, stimmten aber trotzdem zu und ebneten ihr so den Weg zur Marathonkarriere. Nach 2:38:02 Stunden wurde sie Zehnte und beste Deutsche. Ein Jahr später steigerte sie sich um fast sieben Minuten auf 2:31:35 Stunden, belegte Platz fünf und qualifizierte sich bei ihrem zweiten Marathonrennen, dem ersten ernsthaften überhaupt, für die WM in Göteborg, wo ihre internationale Erfolgsserie als Leichtathletin begann, die erst neun Jahre später in Berlin endete.


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