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<< Fachwerkscheune, ehem. gehörend zum Haupthaus Claasbruch 38 Fachwerkwohnhaus mit Stallanbau, Claasbruch 38 Traufständiges, dreigeschossiges Wohnhaus mit Satteldachdach als verputzter Ziegelsteinbau mit Stuck, Ende 19. Jh., mit hintenliegendem, dreigeschossigem Wohnanbau, Kölner Str. 14 >>
Fachwerkwohnhaus mit Stallanbau, Claasbruch 38 wurde 23.01.2001 unter Schutz gestellt.
Fachwerkwohnhaus mit Stallanbau, Claasbruch 38 läßt sich auf 2. Hälfte 17. Jahrhundert datieren.
Fachwerkwohnhaus mit Stallanbau, Claasbruch 38 ist hier zu finden: Claasbruch 38
Das Anwesen Claasbruch 36 - 38 ist Bestandteil der kleinen Ortslage Claasbruch, deren wenige (ehem.) Fachwerk-Gehöfte sich am südlichen Hang von Bergisch-Neukirchen in einer Hangmulde aneinander reihen und in ihrer architektonischen Gestaltung von der Hanglage geprägt sind. Das Anwesen besteht aus dem westlich gelegenen, durch einen südlichen Querriegel erweiterten Wohnhaus mit nördlich anschließendem Stallanbau und der südlich entlang der Zufahrtsstraße aus dem Tal errichteten, langgestreckten Scheune (mit östlich anschließender Remise und Nebengebäude). Sämtliche Bauten sind in der traditionellen Fachwerkbauweise des Bergischen Landes errichtet. Der Hof wird nordöstlich durch einen Wohnungsneubau abgeschlossen, der nicht Bestandteil des denkmalwerten Anwesens ist.
Baubeschreibung
Ältester Teil des Anwesens ist das Wohnhaus von rechteckigem Grundriß, in Hanglage in NS-Richtung orientiert. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus von fünf und zwei Achsen in Geschoßbauweise, Satteldach mit kleinen Aufschieblingen und - entsprechend der Hanglage - einem Gewölbekeller im vorderen, talseitigen Teil des Hauses mit außen sichtbarem, niedrigem, verputztem Bruchsteinsockel und Kellerfenstern. Die repräsentative Hauptfassade zur Hofseite mit nahezu mittiger Eingangstür zeigt ein in seiner Struktur gut erhaltenes, frühes Fachwerkgerüst mit großen, nahezu über das gesamte Obergeschoß reichenden, geschwungenen Kopfstreben am südöstlichen Eckständer, gegenläufig an dem Ständer des dritten Gebindes und beidseitig des fünften Ständers. Auf eine frühe Entstehungszeit deuten auch die großen, querliegenden Gefache in beiden Geschossen hin ebenso wie die im Obergeschoß und neben der Eingangstür im Erdgeschoß erhaltenen kleinen, originalen Fensteröffnungen. All diese Details des Fachwerkgerüstes erlauben eine Datierung in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Späteren Veränderungen sind die beiden Fenster des ersten und zweiten Gebindes zu verdanken, während die Türöffnung - wohl ehemaliges Fenster - der letzten Achse im Obergeschoß auf den gesonderten Zugang neueren Datums zur (ehemals wohl) abgetrennten Wohnung des Obergeschosses mittels hölzerner Treppe und Podest zurückzuführen ist, der außen neben der Eingangstüre ansetzt. Wohl im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ist die südliche Hälfte des Wohnhauses durch einen ebenfalls zweigeschossigen Querriegel nach Westen etwa um Gebäudetiefe erweitert worden, der auf einem verputzten Bruchsteinsockel aufsitzt (mit Gewölbekeller und Kellerhals an der westlichen Giebelseite) und ein (ebenfalls querliegendes) Satteldach trägt. Durch die übergreifende Zierverschieferung mittels horizontaler Bahnen an der talseitigen Fassade (mit einer weiteren westlichen Achse im Erweiterungsbau) werden beide Gebäudeteile zusammengefaßt. Die ebenfalls verschieferte westliche Giebelseite hat zwei Achsen und ein mittiges Fenster im Giebeldreieck. Zur Hofseite zeigt das freiliegende Fachwerkgerüst eine Türöffnung im Winkel zum älteren Bau mit darüberliegendem Fenster sowie eine weitere Fensteröffnung im westlichen Erdgeschoß. Es handelt sich um eine Stockwerkskonstruktion mit regelmäßig aneinandergereihten Ständern in beiden Geschossen und Diagonalstreben zu den Eckständern, wie sie im 19. Jahrhundert üblich ist. Sie ist zwar durch den Einbau eines großen querliegenden Fensters im Erdgeschoß gestört, doch ist daneben die ehemalige Fensteröffnung noch zu erkennen. Ein weiteres großes querliegendes Fenster findet sich im alten Haus neben der Eingangstür zum Anbau. Die hofseitige Eingangstür zum Querriegel zeigt noch das alte aufgedoppelte Türblatt, und auch an einigen der Fenster an beiden Gebäudeteilen zum Hof sind - wie auch am Westgiebel und an der Talfassade - Fensterläden erhalten.Veränderungen des Fachwerkgerüstes an der Hofseite des alten Hauses sind vermutlich im Zuge des Anbaus entstanden, wie auch die erwähnten vergrößerten Fensteröffnungen zum Hof und das Kastengesims der Dachtraufen.
Die ursprüngliche Raumaufteilung des Wohnhauses - Erschließung, Treppenhaus (Zugang zum Keller, zum ersten Obergeschoß) - ist in beiden Geschossen größtenteils erhalten, mit Ausnahme von geringfügigen Veränderungen im nördlichen Bereich des Obergeschosses. Auch ist die Raumaufteilung in dem Anbau bis heute unverändert erhalten. Vermutlich zeitgleich mit dem Erweiterungsbau des Wohnhauses ist an der Nordseite desselben ein rechteckiger, eingeschossiger Stall in Fachwerkbauweise errichtet worden, dessen Fachwerkgerüst die gleichen Elemente wie der Wohnhaus-Anbau aufweist. Er wird von einem etwas flacher geneigten Satteldach mit relativ weiten Dachüberständen bedeckt und ist seit einiger Zeit nicht mehr in Benutzung. Der Innenraum ist zum Abstellraum umfunktioniert.
Südöstlich wird der Hof von einer langgestreckten Scheune oberhalb der Zufahrtsstraße vom Tal begrenzt, die ebenfalls ursprünglich eine reine Fachwerkkonstruktion darstellte und mit einem Satteldach versehen war. Sie wird heute unter der Adresse Claasbruch 36 geführt. Östlich schließt sich an das Scheunengebäude eine hofseitig offene, von einem Satteldach bedeckte Remise/Geräteschuppen an, gefolgt von einem weiteren Remisenbau in Backstein. Die Scheune bewahrt trotz nachträglicher Veränderungen größtenteils das ursprüngliche Fachwerkgerüst, welches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entstanden ist, mit den nahezu quadratischen, von Ständern und Querriegeln gebildeten Gefachen, mittels durchlaufender Diagonalstreben um die Eckständer, die große, leicht nach Osten verschobene Toreinfahrt und um den westlichen Eingang verstärkt. Der Einbau eines Pferdestalls mit vier Boxen, leicht versetztem Eingang und zwei Fenstern in dem Westgiebel ist durch die entsprechenden Planunterlagen von 1913 dokumentiert; mit Heraklitplatten ist laut Planeingabe von 1943 der Stallteil oberhalb der beiden Westfenster abgedeckt worden. Zwischenzeitlich sind die nördliche und die westliche Wand des Pferdestalls in Mauerwerk ersetzt worden, wie auch im Bereich des Erdgeschosses östlich der Toreinfahrt festzustellen ist. Die gesamte Südwand und das westliche Giebeldreieck sind mit einer vertikalen Verbretterung versehen, die Fachwerkkonstruktion ist jedoch durchgehend erhalten. Die Dachhaut besteht heute aus Welleternit, wofür die ehedem - laut Planunterlagen von 1913 bzw. 1943 - vorhandenen Aufschieblinge des Dachstuhls entfernt wurden. Im Innern ist das Gefüge der Holzkonstruktion noch vollständig erhalten, wenngleich die Scheune heute nicht mehr genutzt wird. Auch ursprüngliche Ausfachungen mit Lehmstaken sind erhalten. Auf der Hofseite sind Teilbereiche des Fachwerkgerüsts in schlechtem Erhaltungszustand: insbesondere die Schwelle zwischen Toreinfahrt und Stall und die anschließenden Ständer sind an- bzw. abgefault, was größtenteils der hanglagenbedingten hohen Feuchtigkeit zuzuschreiben ist, da keinerlei Drainage vorhanden ist.
Datierung und Bewertung der Denkmaleigenschaft
Aufgrund seines Fachwerkgerüstes dürfte das ursprüngliche Wohnhaus des Anwesens Claasbruch 38 in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zu datieren sein (wenn nicht bereits in die Jahrhundertmitte) und ist eines der sehr wenigen erhaltenen Beispielen von Fachwerkbauten aus jener Zeit auf dem Stadtgebiet von Leverkusen bzw. im erweiterten Bereich des Bergischen Landes. Baugeschichtlich ist das Haus daher von besonderer Bedeutung. Aufgrund eines ersten Katasterplanes von 1829 kann nachgewiesen werden, daß zu diesem Zeitpunkt der Anbau (südwestliche Querriegel) noch nicht vorhanden war, doch sprechen seine stilistischen Merkmale - Geschoßbauweise, regelmäßige Ständeranordnung, Kastengesims an den Dachtraufen - für eine Ausführung kurz nach 1829 bzw. vor der Jahrhundertmitte, da diese Stielelemente im Bergischen Fachwerkbau für die Zeit des Klassizismus üblich und verbreitet waren. Dieselben stilistischen Erwägungen sprechen für die etwa zeitgleiche Ausführung auch des nördlich an das Wohnhaus anschließende Stallgebäude. Beide sind in dem Katasterplan von 1873 und nachfolgende 1883/84 eingezeichnet und sind baugeschichtlich typische und gut erhaltene Beispiele des Fachwerkbaus im Bergischen Land aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Scheune, heute unter Claasbruch 36 geführt, ist jedoch bereits in dem Katasterplan von 1870 in voller Länge und heutiger Position eingezeichnet, eine Balkendatierung weist auf 1868 als Entstehungsjahr hin. Auch ist sie in allen weiteren Katasterunterlagen in der gleichen Position und Ausdehnung vorhanden. In den erwähnten Katasterunterlagen sind weitere kleinere Nebenbauten - 1879 zwei kleinere Nebengebäude zwischen Wohnhaus und Scheune, an die Scheune anschließend - eingezeichnet, die heute nicht mehr vorhanden sind. Das ist zu bedauern, da die ehemalige Vielfalt der baulichen Gestaltung eines Bauernhofes nicht mehr vollständig erhalten ist. Um so bedeutender sind die erhaltenen Gebäude des ehemaligen Bauernhofes. Das Anwesen Claasbruch 36 - 38 - L-förmiges Wohnhaus, Stallanbau und Scheune - dokumentiert in anschaulicher Weise die Wohn- und Arbeitsbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung im Bergischen Land im Verlauf von mehreren Jahrhunderten. Wenn auch der landwirtschaftliche Betrieb vor einiger Zeit aufgegeben worden ist, sind die Baulichkeiten auch im Innern noch erhalten bzw. unwesentlich verändert, so daß nicht allein das Wohnen, sondern auch der landwirtschaftliche Betrieb - mit Stallungen und Scheune - in all seinen Funktionen nachvollzogen werden kann. Die zu verschiedenen Zeiten getätigten Veränderungen - Erweiterungsbauten, Anbauten, Umnutzungen (z.B. Pferdestall im westlichen Scheunenteil) oder auch Veränderungen im Wohnbereich (Fenstervergrößerungen usw.) - sind ein typisches und allgemeines Kennzeichen ländlichen Wohnens und bäuerlichen Wirtschaftens, das an diesem Hof besonders anschaulich wird. Die Größe des Gehöftes, insbesondere der Scheune, erlaubt darüber hinaus auch Rückschlüsse über die Größe (und einen gewissen Wohlstand) des bäuerlichen Betriebs. Schließlich ist das Anwesen auch siedlungsgeschichtlich von Bedeutung, denn es dokumentiert die Kontinuität der kleinen Siedlung von Claasbruch in ihrer topografischen definierten Hangmulde unterhalb von Bergisch Neukirchen über mehrere Jahrhunderte.
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