Stadtplan Leverkusen
17.04.2020 (Quelle: Straßen.NRW)
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Verkehrszählung 2020 wegen Corona-Kontaktverbot verschoben


Alle fünf Jahre setzt die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eine bundesweite Verkehrszählung an. Die Länder und damit auch der Landesbetrieb Straßen.NRW müssen dazu Verkehrsdaten erfassen. 2020 ist turnusmäßig ein Zähljahr. Doch Voraussetzung für eine Zählung ist, dass "am Tag der Zählung ‚normale´ Verkehrsverhältnisse herrschen." Und normal ist in diesen Tagen auf den Straßen nichts.

"Der erste mögliche Zähltermin in NRW wäre der kommende Dienstag, 21. April", sagt Dr. Jan Lohoff, Leiter der Abteilung Verkehrssteuerung in der Straßen.NRW-Verkehrszentrale Leverkusen. Bis zum 15. Oktober hätte der Landesbetrieb dann Zeit gehabt, die unterschiedlichen Zähl-Anforderungen zu erfüllen. Doch ohne Verkehr lohnt der Aufwand nicht. "Die Daten, die wir nun bekommen würden, spiegeln die Realität nicht wider", begründet der Verkehrsingenieur Absage der Zählung. Immerhin hat Straßen.NRW in diesen Tagen allein auf den Autobahnen einen Rückgang des Verkehrs um bis zu 80 Prozent verzeichnet.

Wichtige Daten für die Planung
Die Ergebnisse der turnusmäßigen Verkehrsdatenerhebung sind für die Planerinnen und Planer von Straßen.NRW relevant. Sie dienen als Basis für Aussagen über die Verkehrsentwicklung oder als Grundlage für die Berechnung von Lärm- und Emissionen. Forschungsinstitutionen greifen auf die veröffentlichten Daten ebenso zu wie Verbände und Bürgerinitiativen. Gezählt wird im Bundesauftrag auf Autobahnen und Bundesstraßen. Die Länder erheben zeitgleich die Verkehrsbelastung auf Landes- und Kreisstraßen. Auch mehrere Kreise und Kommunen schließen sich dieser Zählung an. Ergebnis ist unter anderem eine Straßenkarte, auf der sich abschnittweise ablesen lässt, wie viele Fahrzeuge im Durchschnitt dort in 24 Stunden unterwegs sind.

Gezählt wird nicht nur an den gut 340 Dauerzählstellen, die meist als Schleife in der Fahrbahn verbaut sind, sondern auch an temporären und manuellen Zählstellen. Jede dieser Zählstelle hat eine achtstellige Nummer und muss – wird sie als temporäre Zählstelle mit Seitenradar eingerichtet – bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Kurven und Steigungen sind tabu und es sollte eine konstante Geschwindigkeit gefahren werden. "Wichtig ist zudem, dass keine beweglichen Gegenstände im Messfeld auftauchen, sei es eine Bahnlinie, auf der Züge verkehren oder Äste, die sich im Wind bewegen", erklärt Jan Lohoff. "Das würde das Ergebnis verfälschen." An den manuellen Zählstellen wird per Hand oder mit Videokameras und anschließender manuellen Auswertung gezählt. Die Zählungen per Hand werden durch landeseigenes Personal oder durch die Verkehrszähler der von Straßen.NRW beauftragten Zähl-Unternehmen durchgeführt, die an den festgelegten Punkten stundenweise den Verkehr erfassen.

Nicht nur auf die Technik und auf die Zähler muss hier Verlass sein, um belastbare Daten zu bekommen. Es darf auch nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommen. "Das kann ein Unwetter sein oder ein Unfall, der zu einer Umleitung oder zu Stau führt", erklärt der Verkehrsingenieur. "Dann müssen wir einen neuen Zähltag ansetzen." Im Vorfeld muss zudem geklärt werden, ob Veranstaltungen wie Stadtfeste, Sportveranstaltungen oder Messen die Verkehrsmenge beeinflussen. "An diesen Tagen dürfen wir dann auch nicht zählen oder wir müssen diese Faktoren mitbedenken."

Werktage und Sonntage
Um einen belastbaren Durchschnittswert für die Verkehrsmenge zu bekommen, wird zu unterschiedlichen Zeiten gezählt. So werden die Daten an zwei sogenannten "Normalwerktagen" – das sind Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag – jeweils morgens und nachmittags erfasst. Zwei Freitage gehören zum Zählpaket, zwei Werktage in den Ferien und zwei Sonntage. Gezählt werden motorisierte Zweiräder, PKW, Lieferwagen und Transporter, Busse, LKW über 3,5 Tonnen ohne Anhänger und Lastzüge – also LKW mit Anhänger bzw. Sattelzüge. Und auch auf kuriose Einzelfälle werden die Zähler vorbereitet: Rollt eine Militärkolonne vorbei, wird diese nicht gezählt. Laut der Richtlinie für die Straßenverkehrszählung 2020 ist "ihr Auftreten" in der Rubrik "Besonderheiten und Wetterverhältnisse" zu vermerken. Einzeln fahrende Militärfahrzeuge hingegen müssen ihrer Bauart entsprechend einzeln identifiziert und gezählt werden. Die Zählung von Fahrrädern ist übrigens nicht Gegenstand des Bundesauftrags, kann aber optional mit aufgenommen werden.

Über eine Pandemie steht in den Zählrichtlinien nichts. Doch ist angesichts der derzeitigen Verkehrslage allen klar, dass eine Zählung keinen Sinn macht. Wann die Erhebung der Verkehrsdaten nun stattfindet, ist noch nicht abschließend geklärt. Es werden keine Zählungen vor dem 1.7.2020 stattfinden. Auf die aktuellen Daten hätten die Nutzer sowieso noch nicht in diesem Jahr zugreifen können. Die Auswertungen dauern in der Regel knapp zwei Jahre.

Hintergrund:
• Bei der letzten Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 war NRW mit vier Autobahnabschnitten in den Top Ten der am stärksten befahrenen Strecken. Auf den weiteren Plätzen finden sich Autobahnen in Berlin und Frankfurt.
• Der am stärksten befahrene Autobahnabschnitt liegt auf der A 3 zwischen dem Kreuz Köln-Ost und dem Dreieck Köln-Heumar. Mit durchschnittlich mehr als 170.000 Kraftfahrzeugen am Tag
• Platz 4: A3 Köln-Dellbrück – Kreuz Köln-Ost; durchschnittlich 166.700 Fahrzeuge
• Platz 9. A3 Kreuz LeverkusenLeverkusen-Zentrum; durchschnittlich 159600 Fahrzeuge
• Platz 10: A3 Köln-Mülheim – Köln-Dellbrück; durchschnittlich 158.900 Fahrzeuge


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Letzte Änderung am 20.04.2020 21:04 von leverkusen.
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