Stadtplan Leverkusen
16.07.2009 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Tobias Scherbarth: „Eine emotionale Achterbahnfahrt“


Für Tobias Scherbarth ist vor knapp einer Woche eine kleine Welt zusammengebrochen. Der Deutsche Stabhochsprung-Vizemeister brach sich beim Einspringen am vergangenen Donnerstag (09.07.) während der Universiade in Belgrad (Serbien) den Mittelfuß und fällt damit für die Weltmeisterschaft in Berlin (15.-23.08.) aus. Nach der erfolgreichen Operation befeindet sich der Leverkusener nun in der Reha.

„Bei der dritten Anlaufkontrolle habe ich es gespürt, als es geknackt hat“, erzählt der 23-Jährige, während ihm die Enttäuschung noch immer im Gesicht abzulesen ist. Betrübt sitzt er auf seinem Stuhl und hat seinen ledierten Fuß auf einem anderen abgelegt. Dass dieser „Knack“ so folgenreich sein würde, wusste der Vierte der vorigen Universiade noch nicht. „Ich dachte erst es hätte sich vielleicht eine Blockierung gelöst, aber ich konnte danach schon nicht mehr richtig auftreten und habe von den Physios ein Eis-Tape bekommen.“ Doch so leicht hat sich der Fünfte der U23-EM von 2007 nicht geschlagen gegeben. Er zog die Qualifikation für das Finale noch durch und übersprang im ersten Versuch 5,20 Meter.

Doch das war gleichzeitig auch sein letzter Sprung für eine lange Zeit. Im Anschluss humpelte er zurück ins Athletendorf und wurde gleich geröntgt. Dann die Diagnose: Mittelfußbruch. „Seit fünf Jahren habe ich die WM im Kopf und dann ist mein großer Traum einfach geplatzt“, erzählt der Leverkusener, der seit 2004 im Verein ist, mit bewegter Stimme. Seit drei Jahren hat er das Olympiastadion als Desktophintergrund auf seinem Computer und dann innerhalb von fünf Tagen stürzt der Schützling von Leszek Klima vom größten sportlichen Erfolg seiner Laufbahn, der Vizemeisterschaft und der Nominierung für die WM, zum tiefsten Punkt seiner bisherigen Karriere, dem WM-Aus.

„Ich kann ja nicht den ganzen Tag rumlaufen und den Kopf hängen lassen. Ich muss nach vorne schauen.“ Man glaubt ihm, dass er ein Kämpfer ist. Doch vorwärts geht es für den 1,95 Meter großen Athleten erst einmal nur auf Krücken. In einer dicken Schiene ist sein Bein ab dem Knie eingepackt und erst in sechs Wochen kann er langsam anfangen wieder zu gehen. Doch die Genesung wird nur in vielen kleinen Schritten vorangehen. „Die komplette Stabilität“, fürchtet Scherbarth, „wird wohl erst in einem Jahr wieder zurückgekehrt sein.“ Aber er ist zielstrebig und weiß, dass er wieder zurückkommen wird.

Nur drei Stunden nach dem Unfall saß der junge Stabhochspringer schon im Flugzeug gen Heimat, um sich in München von Prof. Dr. Bernd Mayer operieren zu lassen. „Ich habe mich während der Behandlung sehr wohl gefühlt und habe eigentlich auch jetzt keine Beschwerden.“ Eine Schraube steckt nun im Fuß des Sportstudenten, der auch in Leverkusen auf eine optimale Versorgung trifft. Zunächst wird er von den Bayer 04-Physiotherapeuten betreut und in einigen Wochen begibt sich der gebürtige Leipziger dann für 14 Tage in eine stationäre Reha-Behandlung.

Aber man sieht, wie es noch in ihm arbeitet. „Das war alles eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt der sonst so selbstbewusste Athlet. Er hat sich auch Rat geholt, von einem bekannten ehemaligen Leverkusener, der sich bei der U20-EM in Kaunas 2005 einen Trümmerbruch im Mittelfuß zuzog und nun bei der WM um eine Medaille mitspringen wird: Sebastian Bayer.

„Ich werde es jetzt erst einmal ruhig angehen lassen“, erklärt Scherbarth zum Schluss. Die WM wird er sich trotzdem anschauen. Denn eine Karte hatte er sich schon im Vorfeld gekauft und wird dann von der Tribüne aus zusehen, wie unter anderem sein Vereinskollege Malte Mohr mit den Besten der Welt um die Medaille kämpft.


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Letzte Änderung am 07.03.2015 10:49 von leverkusen.
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