Stadtplan Leverkusen
23.11.2007 (Quelle: Bayer 04)
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Wolfgang Holzhäuser: "Unser Weg muss weiter nach oben führen"


Politiker ziehen in der Regel nach einer Amtszeit von 100 Tagen ein erstes Fazit ihrer Tätigkeit. Wie geht es Ihnen, nach rund 100 Tagen „amtloser“ Zeit bei DFB und Liga-Verband?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Gut. Ungewohnt zwar, aber gut. Ich kann mich jetzt ganz meinen Aufgaben in der Bayer 04-Fußball GmbH widmen. Allerdings bin ich noch auf europäischer Ebene tätig. Zum Beispiel in der UEFA-Kommission für den Status und Transfer von Spielern sowie für Spieler- und Spielvermittler und in der G 14 – dem Zusammenschluss von mittlerweile 18 und zukünftig wahrscheinlich 40 bis 50 bedeutenden europäischen Vereinen, die die Interessen der Profi-Clubs bündeln und gegenüber den Verbänden stärker vertreten.

Kritiker argwöhnten, Ihr Verzicht auf Verbandsämter könnte einen Einfluss-Verlust für Bayer 04 darstellen. Ist die Position des Clubs jetzt geschwächt?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Nein! Vordergründig mag das so aussehen, weil ich nicht mehr direkt den Gremien angehöre. In Wirklichkeit kann ich aber heute als „normales“ Mitglied des Ligaverbandes wieder allein die Interessen unseres Clubs vertreten und muss mich nicht aus Verbands-Zwängen Kompromissen unterwerfen. Denn zum einen heißt Verzicht auf Verbandsämter ja nicht gleich „Maulkorb“, zum anderen werde ich mich – wie bisher auch – zu allen Dingen kritisch äußern, wenn sie die Belange unseres Clubs tangieren. Und ich bin mir sicher, dass wir auch Gehör finden werden. Außerdem habe ich nach mehr als 30 Jahren Verbandstätigkeit nach wie vor einen guten Ein- und Überblick über die Themen, die den Profifußball betreffen.

Die Bayer AG hat Ihren Vertrag als Sprecher der Geschäftsleitung der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH vorzeitig bis zum Jahr 2011 verlängert. Welche Ziele verfolgen Sie und was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Zunächst einmal freue ich mich natürlich darüber, dass mir die Bayer AG weiterhin ihr Vertrauen schenkt. Denn nachdem wir den Club durch teilweise schmerzliche Maßnahmen wieder auf solide finanzielle Füße gestellt haben, können wir jetzt wieder etwas mehr bewegen. Und bei uns bewegt sich etwas. Das spüren alle.
Unser gemeinsames sportliches Ziel – und da binde ich unsere sportliche Leitung Rudi Völler, Michael Reschke und Michael Skibbe voll mit ein – ist klar: Wir wollen weiter nach oben blicken. Das heißt: Den Punkteabstand zur Spitze weiter verringern und im internationalen Geschäft „Dauergast“ sein. Uneingeschränkt gilt: Unser Weg muss weiter nach oben führen.
Ein besonderer Schwerpunkt ist natürlich die Optimierung der BayArena. Sie soll zum einen so schnell und für unsere Besucher – von den eingefleischten Fans bis zu den VIPs – mit so wenig Beeinträchtigungen wie nur möglich vonstatten gehen und schließlich zu einer optimalen Arena werden.

Was heißt optimal?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Die zur Weltmeisterschaft im letzten Jahr errichteten Stadien oder Arenen haben neue Maßstäbe gesetzt. Der Besuch eines Spiels gilt nicht mehr nur dem Spiel, er wird vielmehr als Event aufgefasst. Und da ist die zugegebenermaßen recht kurzlebige Zeit nun einmal an uns vorübergegangen. Unser Ziel ist es, alle Bereiche so optimal wie nur möglich zu gestalten. Für die Aktiven den Gesundheits- und Aufenthaltsbereich, für die Medienvertreter deren Arbeitsmöglichkeiten, für die VIPs und Sponsoren die Bereiche, die sie auch zu Repräsentations-Möglichkeiten nutzen können, für Familien oder sonstige Gruppen, die aus Kostengründen eine besondere „Umgebung“ brauchen – zum Beispiel Gruppenräume mit „Selbstverpflegung“ – und vor allem die Bereiche für die eingefleischten Fans – unter anderem durch die Schaffung von Stehplätzen.

7.500 Zuschauerplätze mehr – woher nehmen Sie den Optimismus, diese füllen zu können?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Nachdem wir in den letzten drei Jahren trotz der schwierigen finanziellen Situation, die uns zu Spielerverkäufen und finanziellen Anpassungen an unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten gezwungen haben, den Kontakt nach oben nie verloren, bin ich mir sicher, dass wir noch weiter an Attraktivität zunehmen werden. Unser Weg führt weiter nach oben. Das wird im Zusammenspiel mit einer noch attraktiveren BayArena sicher das Interesse noch erhöhen. Ich will aber auch deutlich sagen: Wir müssen einfach erfolgreich sein – auch international – wenn wir diesen Ansprüchen gerecht werden wollen.

Apropos Erfolg. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Sehr erfreulich. Schauen wir auf die letzte Saison. Da standen wir am 13. Spieltag abgeschlagen auf dem zwölften Tabellenplatz, mit 15 Punkten und 21:21 Toren, mit neun Punkten Abstand zu Platz drei und elf zu Platz eins – nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Am Ende waren es dann mit „Hängen und Würgen“ der fünfte Platz und die UEFA-Cup-Teilnahme, mit einer Differenz von 15 Punkten zu Platz drei und sogar 19 zu Platz 1.

Wir waren also damals am 13. Spieltag von unseren auch da schon gesteckten Zielen und Erwartungen, nämlich UEFA-Cup-Platz als Minimum und eine deutliche Verringerung des Punkteabstandes zur Spitze, weit entfernt. Heute stehen wir zum gleichen Zeitpunkt auf eben jenem fünften UEFA-Cup-Platz, mit bereits 21 Punkten und 20:10 Toren und der Abstand zu Platz drei beträgt sechs Punkte und der zu Platz eins sieben Zähler.
Ein Beispiel dafür, dass wir uns mit unserer Einkaufs-Politik auf dem richtigen Weg befinden, und dass auch unsere wirtschaftliche Konsolidierung jetzt die erhofften Früchte trägt. Geld spielt bei Verstärkungen eben doch eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Bayer 04 hat eine sehr junge Mannschaft mit vielen deutschen Spielern, während sich andere Spitzenclubs hauptsächlich mit Ausländern verstärkt haben. Kann das auf Dauer gut gehen?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Ja! Viele Fachleute – und teilweise auch die Medien – bescheinigen uns, dass wir eine Mannschaft mit Zukunft entworfen haben. Natürlich muss man bei einer solchen Zusammenstellung etwas Geduld haben. Aber nicht nur die Fachleute und Medien scheinen zu spüren, dass sich bei uns etwas tut. Auch die vorzeitigen Vertragsverlängerungen beispielsweise von René Adler, Simon Rolfes oder Gonzalo Castro zeigen, dass auch die Spieler spüren, was sich hier tut. Und dabei wollen sie eben mitmachen.

„Leverkusen wird zum FC Deutschland“ lautete eine Schlagzeile. Ist das Risiko, immer mehr Spieler für unterschiedlichste Nationalmannschaften abstellen zu müssen, nicht zu groß?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Natürlich kann die Belastung der Spieler durch Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Pokal oder Champions-League zu viel sein. Und auch die Verletzungsgefahr steigt – wie jetzt das Beispiel Marcell Jansen von Bayern München zeigt. Aber die vielen Berufungen machen auch deutlich, wie stark die eigene Mannschaft ist. Und Nationalspieler zu sein, steigert ja nicht zuletzt auch den Marktwert – für den Spieler und für den Verein.
Aber auch schon früher habe ich immer wieder davor gewarnt, es mit Freundschaftsspielen der Nationalmannschaft nicht zu übertreiben. Denn leidtragend ist der Verein. Und wenn viele Qualifikationsspiele anstehen – dabei sind ja bekanntlich auch etliche „Sparringspartner“ – sollte auch die Notwendigkeit von Freundschaftsspielen ständig überprüft werden.
Grundsätzlich aber bleibt die Feststellung, dass mit der Zahl der Nationalspieler auch die Attraktivität der Mannschaft steigt.

Selbstverständlich müssen wir an dieser Stelle auch auf den verbalen Schlagabtausch unterhalb der Woche zwischen Bayer-Sportchef Rudi Völler und DFB-Manager Oliver Bierhoff zu sprechen kommen. Wie sehen Sie es? Ist das Training in den Vereinen wirklich so schlecht?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Natürlich nicht: In den Vereinen wird hervorragende Arbeit geleistet. Nicht zuletzt auch bei Bayer 04, was an den vielen jungen Talenten abzulesen ist, die bereits den Sprung in unseren Profikader geschafft haben. Wer angesichts der ausbleibenden Erfolge in den Europapokal-Wettbewerben glaubt, man müsse in den Vereinen nur das tun, was der DFB tut, dann sei man alle Sorgen los, der unterliegt einem Irrtum. Im Europapokal sind die Mannschaften am erfolgreichsten, die mit Spitzenspielern aus den unterschiedlichsten Ländern durch- und besetzt sind. Da spielen dann wirklich die besten Spieler der Welt - aber eben nicht aus einem Land. Von daher ist der Vergleich nicht zulässig.

Es wird beklagt, dass die Philosophie des DFB in den Vereinen nicht umgesetzt werde. Stimmt das?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Natürlich wird die Arbeit in den Vereinen geleistet. Und wie gut diese Arbeit ist, zeigt sich am Erfolg der Nationalmannschaft. Diese Nationalspieler werden von den Vereinen gut ausgebildet zur Verfügung gestellt. Niemand sollte glauben, dass unsere deutschen Spitzenspieler erst durch ein paar Tage bei der Nationalmannschaft die Qualität erreichen, die sie haben. Und wenn von einer einheitlichen Philosophie die Rede ist, dann frage ich mich, warum die Führung der A-Nationalmannschaft den Vereinen den zugesagten Erfahrungsbericht ("Management-Summary") über die Vorbereitung der Mannschaft und die Durchführung der letzten WM bis heute nicht zur Verfügung gestellt hat.

Meine Erfahrung ist: Alles, was jetzt vom DFB-Kompetenzteam gefordert wird, ist bereits seit langem Trainingsalltag bei den meisten Vereinen. Von der Leistungsdiagnostik bis zur Datenbank über den jeweiligen Gesundheitszustand jedes einzelnen Spielers. Das gilt auch für den Einsatz modernster Videoanalysen, wie für die Kooperationen mit sportwissenschaftlichen Fakultäten, wie sie bereits seit Jahren von Bayer 04 mit der Deutschen Sporthochschule in Köln praktiziert wird. Niemand nimmt doch ernsthaft an, dass man sich bei Klubs wie Bayern München, Werder Bremen oder auch dem Hamburger SV nicht schon seit Jahren intensive Gedanken über die Optimierung der täglichen Trainingsarbeit macht.

Ist der Gedanke, einen runden Tisch mit DFB- und Vereinsvertretern zu bilden, so falsch?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Ich habe nichts gegen Zusammenarbeit - wenn sie der sehr guten Arbeit in den Vereinen jederzeit gerecht wird.


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Letzte Änderung am 20.01.2010 18:54 von leverkusen.
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