Stadtplan Leverkusen
19.10.2007 (Quelle: Bayer 04)
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Lukas Sinkiewicz: "Es macht Spaß in dieser Truppe"


Bis zu seinem vierten Lebensjahr lebte er in Kattowicz. Dann zog die Familie nach Deutschland, genauer gesagt nach Quadrath-Ichendorf, später nach Bergheim. Im Hause Sinkiewicz wird heute noch polnisch gesprochen. Aber Lukas ist durch und durch ein Rheinländer geworden. Und als solcher fühlt er sich nun auch bei Bayer 04 pudelwohl. Der Wechsel vom FC auf die andere Rheinseite sei der richtige Schritt gewesen, sagt der Innenverteidiger, der beim letzten Auswärtsspiel in Frankfurt erstmals in dieser Saison in der Startformation von Bayer 04 stand. Diesen Platz will er nun so schnell nicht mehr hergeben. Das Interview:

Lukas, erst mal noch Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu Deinem 22. Geburtstag in der vergangenen Woche. Hast Du groß gefeiert?
SINKIEWICZ: Ja, ich habe mit der ganzen Familie gefeiert. Und die ist ziemlich groß, Eltern, ein Bruder, Onkel und Tanten, Oma, da war schon was los. Die Mannschaft hat auch noch ein paar Reste vom Geburtstagskuchen abgekriegt. Und ein Mittagessen habe ich den Jungs spendiert.

Du wirkst wie so manche Deiner Kollegen etwas älter als Du bist. Wird man als Fußballprofi schneller erwachsen?
SINKIEWICZ: Weiß ich nicht. Meine Trainer haben mir immer gesagt, dass ich für mein Alter schon sehr weit sei. Ich glaube einfach, dass ich trotz meiner erst 22 Jahre schon einiges erlebt habe, und zwar nicht nur Positives. Die schwere Verletzung mit dem Kreuzbandriss zum Beispiel. Aber trotzdem mache ich noch ne ganze Menge Mist – da bin ich eigentlich immer vorne dabei. Ich weiß allerdings auch, wann Schluss ist mit lustig.

In Frankfurt hast Du Dein erstes Bundesligaspiel für Bayer 04 von Anfang an gemacht und hervorragende Kritiken bekommen. Du hättest jetzt in einen Rhythmus kommen können. Ärgert es Dich ein bisschen, dass am vergangenen Wochenende Länderspielpause war?
SINKIEWICZ: Nein, überhaupt nicht. Wir müssen ja immer ans Kollektiv denken, und ich glaube, wir als Mannschaft waren ein bisschen müde durch all die englischen Wochen zuletzt. Letzte Woche konnte sich zumindest ein Teil des Kaders etwas erholen, während der andere unterwegs war mit den Nationalmannschaften. Außerdem liefen die letzten drei Spiele für uns vom Ergebnis her nicht sehr erfolgreich. Ich denke, da kam die Bundesliga-Pause gerade zur rechten Zeit.

Was bringt Dir so eine Pflichtspielpause?
SINKIEWICZ: Man muss das Training nicht so dosieren, kann mal in den Kraftraum gehen, ein paar Zusatzeinheiten schieben. Jetzt konnte man noch mal richtig reinhauen und das nachholen, was man in den letzten Wochen eher weniger getan hat. Mir kam das sicher entgegen.

Wenn Du Dir momentan die deutsche Nationalelf anschaust, denkst Du dann auch, Mensch, fünf Leverkusener im Kader und ich könnte demnächst vielleicht der sechste sein?
SINKIEWICZ: Das ist erst einmal sehr erfreulich und ein Beweis dafür, dass wir gut und erfolgreich Fußball spielen. Fünf Leverkusener in der deutschen Auswahl, das ist schon ein Pfund. Mittelfristig will ich auch wieder dort hin kommen. Aber jetzt zählt erst mal nur meine Leistung bei Bayer 04.

Aber die EM 2008 ist schon noch Dein Ziel?
SINKIEWICZ: Klar, ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das egal wäre. Ich war 2005 unter Jürgen Klinsmann ja schon mal im Nationalteam, danach hatte ich ein kleines Formtief, dann war ich verletzt. Im Verein lief‘s auch nicht gut. Jetzt will ich hier bei Bayer 04 an meine alte Leistung anknüpfen.

Du hast eine sehr starke Vorbereitung gespielt und Dich dann pünktlich vor dem Saisonstart verletzt. Ganz schön ärgerlich....
SINKIEWICZ: Das passiert eben im Fußball. Natürlich hat mich das genervt. Ich bin da wie jeder andere Fußballer, ich will spielen. Aber die Jungs haben das ja auch ohne mich sehr ordentlich gemacht. Da muss man fair sein und auf seine Chance warten. Und die kam ja dann gegen Frankfurt.

Auf keiner Position ist Bayer 04 wohl stärker besetzt als auf der des Innenverteidigers. Friedrich, Haggui, Callsen-Bracker und Du: ein echt harter Konkurrenzkampf.
SINKIEWICZ: Ja, aber Konkurrenz belebt ja das Geschäft. Jeder will besser als der andere sein und deshalb wächst jeder ein Stück über sich hinaus. Aber jeder nimmt auch etwas vom anderen mit. Es hilft eigentlich nur, dass die Konkurrenz so groß ist. Man muss seine Leistung immer wieder aufs Neue bestätigen, kann sich nicht ruhig zurücklehnen und sich als Stammspieler fühlen.

Wie versteht Ihr vier Euch untereinander?
SINKIEWICZ: Wir haben ein super Verhältnis zueinander, wie überhaupt in der ganzen Mannschaft ein tolles Klima herrscht. Die Mischung stimmt, es gibt einige ältere und viele jüngere Spieler. Es macht einfach Spaß in dieser Truppe.

Aber für Dich ist es schon eine neue Situation. In Köln hattest Du quasi immer eine Stammplatzgarantie...
SINKIEWICZ: Es gab auch in Köln gute Spieler, aber natürlich ist die Konkurrenz hier größer. In Köln war ich ja so etwas wie ein Eigengewächs und hatte mir eine gewisse Position erarbeitet. Das versuche ich hier jetzt auch.

Du lebst auf dem Platz sehr von Deiner Kraft. War das schon immer so, oder hast Du Dir in diesem Bereich viel antrainiert?
SINKIEWICZ: Das war schon immer so bei mir, weil ich physisch halt immer ein kräftiger Typ war. Ich habe auch immer alles gegeben und meine Ziele sehr ehrgeizig verfolgt. Man kann jede Menge Spaß mit mir haben, aber ich weiß genau, wann man voll da sein muss.

Welche Vorbilder hattest Du früher als kleiner Steppke?
SINKIEWICZ: Stefan Effenberg hat mir vom Typ her gefallen. Als Spieler bewundere ich heute noch Patrick Vieira. Wie er mit dem Ball umgeht, wie er auftritt, das gefällt mir.

Gibt der derzeitige Tabellenstand und die Punktausbeute Euer Leistungsvermögen richtig wider?
SINKIEWICZ: Momentan stehen wir nicht da, wo wir hin wollen. Aber wir haben auf jeden Fall das Zeug dazu, unser Ziel zu erreichen, und das ist die Teilnahme am UEFA-Cup. Unsere Truppe ist jung und kann natürlich noch viel lernen. Wichtig ist auch, dass die älteren Spieler gesund bleiben. Bisher haben wir ja spielerisch ja nie schlecht ausgesehen. Wir waren gegen die Bayern sehr gut, haben leider trotzdem verloren. Und wir waren in Frankfurt sehr gut und in der zweiten Halbzeit sicher die bessere Mannschaft. Wir brauchen aber noch ein bisschen Zeit.

Du bist ein kölscher Jung wie er im Buche steht, wohnst auch in Köln. Wie lebt es sich dort als jemand, der nun beim „Intimfeind” Bayer 04 spielt?
SINKIEWICZ: Sehr gut, danke. Mir war wichtig, nicht zu weit weg von der Familie und den Freunden zu wohnen. Und weil die in Bergheim leben, hab ich mir eine Wohnung in Köln gesucht. Das liegt genau zwischen Bergheim und Leverkusen. Zum Training fahre ich 15 bis 20 Minuten und in Bergheim bin ich auch schnell.

Musst Du Dir noch Sprüche beim Bäcker anhören?
SINKIEWICZ: Nein, jetzt eigentlich kaum noch. Das war am Anfang schon heftiger. Da musste ich mir tatsächlich einiges anhören, zum Teil auch von kleinen Kindern. Aber Fußball ist ein so schnelllebiges Geschäft. Was gestern war, ist heute schon Geschichte. Ich bin jetzt hier bei Bayer 04, will hier meinen Weg machen und meine Leistung bringen, und das alleine zählt für mich.

Die Bayer 04-Fans rechnen es Dir hoch an, dass Du nach wie vor nichts Negatives über den FC sagst. Du hättest es Dir einfach machen können und Dich mit ein paar Dönekes über den FC auslassen können in der Hoffnung auf Sympathiepunkte bei den Bayer-Fans.....
SINKIEWICZ: Das ist aber nicht mein Ding. Ich habe seit 1996 beim FC gespielt, bin dort in die erste Mannschaft gekommen, dort Nationalspieler geworden und habe dem Verein also viel zu verdanken. Dazu stehe ich. Aber jetzt war einfach die Zeit für einen Wechsel gekommen. Ich will 1. Bundesliga spielen und ich will international spielen. Und wir haben hier einfach ein tolles Team mit großer Perspektive zusammen.

Die Fanszene in Köln ist, das sagen wir ganz ohne Neid, um einiges größer als in Leverkusen. Aber was die Stimmung im Stadion betrifft, da kann sich Bayer 04 schon sehen bzw. hören lassen, oder?
SINKIEWICZ: Absolut, ja. Man kann die beiden Vereine natürlich in Bezug auf die Fanszenen nur schwer miteinander vergleichen. Aber das Spiel gegen die Bayern hat‘s ja gezeigt: Die Fans standen total hinter uns. Das war eine super Stimmung, die richtig Spaß gemacht hat. Auch die Choreographie in der Fankurve fand ich klasse.

Was bedeutet Dir der enge Kontakt zu den Fans?
SINKIEWICZ: Der ist mir sehr wichtig. Wir leben von den Fans, sie unterstützen uns. Man darf sich nie für etwas besonderes halten. Mich kann jeder auf der Straße ansprechen, ich habe überhaupt keine Berührungsängste.

Der Kölner würde sagen, „dä Sinke, dä is jraduss“...
SINKIEWICZ: Ja, dass passt ganz gut zu mir. Ich versuche immer, fair zu sein und sage was ich denke. Ich bin aber auch nicht beleidigt, wenn mir mal einer die Meinung geigt.

Zurück zum Sportlichen: Der nächste Gegner heißt Borussia Dortmund. Eine Mannschaft, die man noch schlecht einordnen kann...
SINKIEWICZ: Ja, das stimmt, die sind schwer einzuschätzen. Ich glaube, für sie ist es manchmal auswärts leichter, weil sie da nicht so viel Druck haben. Natürlich haben sie eine gute Mannschaft, aber wir sind auch gut drauf, auch wenn die Ergebnisse zuletzt nicht gestimmt haben. Weil Dortmund auch in den UEFA-Cup will, müssen wir dieses Spiel gegen einen direkten Konkurrenten natürlich unbedingt gewinnen.

Beschäftigst Du Dich im Vorfeld von solchen Spielen mit Deinen potenziellen Gegenspielern?
SINKIEWICZ: In erster Linie ist wichtig, dass wir zu Hause von Beginn an Druck aufbauen. Wir müssen als ganze Mannschaft unser Ding durchziehen. Dass man seine möglichen Gegenspieler kennt, versteht sich ja von selbst. Du weißt ja, wer wo spielt. Außerdem werden wir mit Videoanalysen genauestens vorbereitet.

Dein Tipp gegen Dortmund?
SINKIEWICZ: Wir gewinnen 2:0.

Fünf Tage nach Dortmund geht es dann im UEFA-Cup weiter mit einem Heimspiel gegen Toulouse. Gleich am Anfang ein sehr schwerer Gegner...
SINKIEWICZ: Unsere ganze Gruppe ist sehr stark besetzt. Aber trotzdem sind es machbare Aufgaben. Wichtig ist, dass wir mit einem Sieg starten.


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Letzte Änderung am 10.04.2020 19:48 von leverkusen.
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