Stadtplan Leverkusen
04.03.2007 (Quelle: TSV Bayer 04)

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Danny Ecker nach Hallen-EM-Gold: „Jetzt habe ich Blut geleckt“



Nach Bronze 1998 bei der Hallen-EM und 1999 bei der Hallen-WM hat der Leverkusener Stabhochspringer Danny Ecker seinen ersten internationalen Titel gewonnen und wurde am Samstag mit 5,71 Metern Hallen-Europameister. Dem Jahres-Weltbesten Björn Otto aus Dormagen blieb höhengleich hinter Ecker und dem Ukrainer Dennis Jurtschenko nur Rang drei. Der Olympia-Fünfte Ecker, mit 6,00 Metern aus dem Jahr 2001 auch deutscher Hallenrekordler, träumt nun davon, auch bei einer internationalen Freiluftmeisterschaft aufs Treppchen zu kommen. Das Siegerinterview von Birmingham.

Frage: Danny Ecker, herzlichen Glückwunsch zur Goldmedaille, hätten Sie vorher geglaubt, dass 5,71 Meter dafür reichen würden?
Danny Ecker: „Ich bin überglücklich. Phänomenal! Ich bin noch nie Europameister gewesen, das ist fantastisch. Ich freue mich wahnsinnig. Gestern habe ich noch gedacht, der neue Europameister muss 5,80 Meter oder höher springen, aber heute hatten alle einen schwächeren Tag. Als ich die 5,71 Meter gleich im ersten Versuch gesprungen bin, habe ich extra noch nicht gejubelt. Ich wollte im Tunnel bleiben und die Konzentration nicht verlieren. Auch die Ehrenrunde bin ich erst einmal mit gemischten Gefühlen gelaufen. Ich war selbst schockiert, dass ich tatsächlich mit dieser Höhe gewonnen habe. Ich hatte auch etwas Mitleid mit Björn Otto, weil er wirklich eine starke Saison gesprungen ist. Er war der Jahresweltbeste mit 5,90 Metern. Ich hätte es ihm gegönnt.“

Frage: Der Wettkampf schien insgesamt anders zu verlaufen, als es sich alle vorgestellt haben?
Danny Ecker: „Ja, er hat gerade mal eine Stunde gedauert. Wenn man sich dagegen an die 3:20 Stunden bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig erinnert, ist es schon ungewöhnlich kurz gewesen.“

Frage: Anders als die Konkurrenten haben Sie ihre beiden Höhen im ersten Versuch genommen. Das war letztlich entscheidend.
Danny Ecker: „Stimmt. Die Anlage ist super, ich dachte, man kann hoch springen und wollte es ruhig angehen lassen und habe erst bei 5,81 Meter härtere Stäbe genommen, um aufzudrehen. Doch dabei ist dann einiges durcheinander gegangen. Der Anlauf stimmte nicht mehr. Das war glücklicherweise egal. Hallenmeisterschaften scheinen mir auch besonders zu liegen. Schon 1998 habe ich bei der Hallen-EM in Valencia Bronze geholt, 1999 bei der Hallen-WM in Maebashi ebenfalls. Ich sollte vielleicht nur noch in der Halle springen.“

Frage: Unterm Dach läuft es für die deutschen Stabhochspringer immer ganz gut, doch im Freien klappt es oft nicht wie erhofft. Was erwarten Sie nach diesem Erfolg von der Zukunft?
Danny Ecker: „Viele Athleten in der Welt haben eine andere Leistungskurve als wir und zaubern zum Höhepunkt der Freiluftsaison dann auf einmal 5,90 oder 5,95 Meter herbei. Aber ich habe jetzt Blut geleckt und bin zuversichtlich, dass das auch bei mir wieder klappt. Ich möchte in diesem Jahr weiter regelmäßig 5,80 Meter und höher springen.“

Frage: Für ihre Familie war es das zweite Hallen-EM-Gold, denn ihre Mutter Heide hat 1971 in Sofia im Weitsprung gewonnen. Haben Sie sich im Vorfeld von Birmingham mal die Medaille zeigen lassen?
Danny Ecker: „Nein. Ich habe auch keine Ahnung, wo sie liegt. Wahrscheinlich hat sie meine Mutter im Banktresor verstaut.“

Frage: Sie mussten in den vergangenen Jahren viele verletzungsbedingte Rückschläge einstecken, standen oft sogar vor dem Karriereende. Was hat Sie immer wieder bewogen, weiterzumachen?
Danny Ecker: „Das kann ich so auch nicht sagen. Die letzten Jahre waren durchweg schlecht. 2001 ging es nach dem Sechs-Meter-Sprung in Dortmund mit der Fuß-Operation los, dann kam die Schulter-Operation und Leistenbrüche. 2005 war ich an einem Punkt, wo ich keine Lust mehr verspürte. Ich hatte den Glauben an mich verloren. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass es wieder läuft und sich die ganze Mühe gelohnt hat. Ich trainiere jetzt schon 20 Jahre bei meinem Coach Leszek Klima. Solange bin ich auch schon bei Bayer 04 und ich hoffe, es kommen noch einige erfolgreiche Jahre hinzu.“

Frage: Der Kölner Tim Lobinger, der 1998 und 2002 schon Hallen-Europameister war, hat Ihnen nach dem Wettkampf als Erster gratuliert. Was hat er dabei gesagt?
Danny Ecker: „Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Aber es war irgendwie ‚Du bist mein Nachfolger’ oder so.“

Frage: Sie sind seit Herbst verheiratet und seit 1. Dezember Vater von Tochter Marie. Ist der wirtschaftliche Druck, erfolgreich sein zu müssen, dadurch gestiegen?
Danny Ecker: „Nein, ich studiere ja BWL und denke auch an das, was nach dem Sport kommt. Aber mein Verantwortungsbewusstsein ist jetzt ein anderes. Selbst wenn das kitschig klingt: Meine Tochter springt auch wirklich gedanklich bei den Wettkämpfen mit. Ich fühle mich in meiner Rolle als Familienvater unheimlich wohl. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auch ein Kind anzuschaffen. Es ist faszinierend. Den Sport kann ich trotzdem uneingeschränkt weitermachen, weil meine Frau Katrin voll hinter mir steht. Sie kümmert sich auch nachts alleine um unsere Tochter und hat mich jetzt während der Saison durchschlafen lassen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“
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Letzte Änderung am 03.03.2012 08:07 von leverkusen.