Stadtplan Leverkusen
19.08.2009 (Quelle: Wirtschaftsförderung)
<< Erste Halle wurde eingerissen   Innenminister Wolf gratuliert Steffi Nerius >>

Gemeinschaftsveranstaltung von kunststoffland NRW und Wirtschaftsförderung Leverkusen zum Thema Fachkräftemangel lockte über 70 Gäste in die neue Bahnstadt.


Die Meldung von 60.000 unbesetzten Stellen im MINT-Bereich vor einigen Wochen hat in Zeiten der Wirtschaftskrise für viel Aufsehen gesorgt. Die Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft gehen davon aus, dass sich diese Situation in Zukunft noch verschlimmern wird. Die Arbeitsgruppe Qualifikation des Vereins kunststoffland NRW und die Wirtschaftsförderung Leverkusen (WfL) haben die Problematik aufgegriffen und eine Veranstaltung zum Thema „Hochschule & Unternehmen – gemeinsame Ansätze gegen den Fachkräftemangel“ ins Leben gerufen. Fachvorträge und eine abschließende Podiumsdiskussion von Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften und Institutionen sowie der Fachhochschule standen dabei am Dienstagnachmittag im Mittelpunkt.
Mehr als 70 Gäste, darunter Vertreter von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Netzwerken und Organisationen aus Leverkusen und der Region, waren der Einladung der Arbeitsgruppe Qualifikation von kunststoffland NWR e.V. und der Wirtschaftsförderung Leverkusen in das alte Ausbesserungswerk und den zukünftigen Hochschulstandort neue Bahnstadt Opladen gefolgt. Begrüßt wurden die Gäste durch Dr. Bärbel Naderer, Geschäftsführerin von kunststoffland NRW und WfL-Geschäftsführer Wolfgang Mues,
der sich besonders über das Engagement der Arbeitsgruppe für Leverkusen freute.
Nach einer Führung über das riesige Areal durch Hauherrin Vera Rottes, Geschäftsführerin der Gesellschaft neue Bahnstadt, bekamen die Gäste bei Vorträgen zum Thema Fachkräftemangel die Problematik und Lösungsansätze anhand unterschiedlicher Sichtweisen erläutert. Kern der Diskussionen war die Ausbildung von Fachkräften.
Dr. Michael Neumann vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ging der Frage nach, warum vor dem Hintergrund des demographischen Wandels die Unternehmen jetzt aktiv werden müssen. Eine sinkende Geburtenrate und eine erhöhte Lebenserwartung durch bessere Ernährung und einen medizinisch-technischen Fortschritt seien die Hauptursachen für den demographischen Wandel und somit auch für den Rückgang der Fachkräfte. „Die Wirkung des Ganzen hat uns aber noch nicht getroffen“, so Neumann. Erst ab dem Jahr
2015 nehme der Anteil der Jüngeren deutlich ab. Von dieser Entwicklung betroffen seien vor allem die Ingenieursberufe, hier liegt die Ersatzrate in Deutschland nur bei 0,9. Zum Vergleich: In Schweden werden 4,7 neue Ingenieure für einen Pensionär ausgebildet. „Wir müssen daher versuchen, ältere Arbeitnehmer verstärkt zu integrieren und verhindern, sie zu verlieren“, sagte Neumann.
Die Gründungsdekanin des Campus Leverkusen, Prof. Dr. Astrid Rehorek, hob in ihrem Vortrag und der folgenden Podiumsdiskussion die Bedeutung des künftigen Hochschulstandorts mit kooperativen Studiengängen als regionalen Ansatz gegen den Fachkräftemangel hervor: „Wir stehen zu diesem Projekt und glauben, dass das demographische Problem sehr effektiv bekämpft werden kann.“ Die Dekanin warb darum, mit den ansässigen Unternehmen in der Chemieregion Leverkusen in direkten Kontakt zu kommen und dies auch vertraglich festzuhalten.
Sie bezeichnete es als „glücklichen Umstand“, dass das Land die Fachhochschulen weiter ausbauen will, da diese eine praxisorientierte und fachbezogene Ausbildung garantierten.
„Das ist eine große Chance, die wir ergreifen müssen.“
Über das Schülerlabor-Projekt als Schnittstelle zwischen Schule, Berufsausbildung und Studium berichtete Baylab plastics-Gesamtprojektleiter Dr. Johann Thim. In eintägigen Live-Projekten können die Schüler für einen Tag die Schulbank mit dem Forscherkittel tauschen und sich in kleinen Teams an der Entwicklung eines Produktes bis zur Fertigstellung beteiligen. Bayer MaterialScience will auf diese Weise die Jugendlichen für das für viele uninteressante Thema Naturwissenschaften und Technik begeistern. „Bei uns können die Jugendlichen aktiv sein, einen praktischen Einblick in die Berufswelt bekommen und erleben, wie ein Unternehmen funktioniert“, so Dr. Thim.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die durch kunststoffland NRW e.V.-Geschäftsstellenleiterin Antje Lienert moderiert wurde, unterstrich Dr. Ernst Grigat, Leiter des CHEMPARKS Leverkusen, die Bedeutung des Chemiestandorts Leverkusen für den Erhalt der Auszubildenden in der Region.
Dazu müsse der Standort an sich attraktiv gehalten, das Interesse am CHEMPARK gefördert und die Qualifikation der Bewerber hoch gehalten werden. Fachliche Kompetenz sei nur durch eine gute Ausbildung zu erlangen.
Eine langfristige Standortsicherung ist nach Ansicht von Peter Hausmann, Landesbezirksvorsitzender der IG BCE Nordrhein, möglich, wenn zukunftsorientierte Fachbereiche gefördert und mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Man müsse dafür die Tendenz zum Ausbildungs-Abbau unbedingt stoppen. Zur Frage, wie sich mittelständische Unternehmen engagieren können, empfahl Dr. Johann Thim, die Netzwerke der Aus- und Weiterbildung auszubauen und die Erwachsenenbildung zu fördern, um auch bei den Eltern die Akzeptanz für Einrichtungen wie Schülerlabore zu verstärken. Zudem müsse man die Vorurteile gegenüber Haupt- und Realschülern abbauen, um so die Motivation der Absolventen zu steigern.
Eine Möglichkeit, dies zu tun, bietet das Deutsche Museum in Bonn. Museumsleiterein Dr. Andrea Niehaus berichtete von eigenen Aktivitäten mit dem Technik-Nachwuchs und einem Labor-Führerschein, den die Jugendlichen erwerben können.
Dieser Labor-Führerschein könne eine Eintrittskarte ins Berufsleben darstellen.
Bei vielen Gesprächen im Anschluss an die Diskussionsrunde ließen die Gäste den Nachmittag ausklingen und nutzten dabei auch die Chance, Kontakte zu knüpfen. Man war sich einig, dass die Veranstaltung einen Startschusscharakter hatte für die weitere Behandlung des Themas Fachkräftemangel in Leverkusen.


WfL-Geschäftsführer Wolfgang Mues anlässlich der Gemeinschaftsveranstaltung von kunststoffland NRW e.V. und der WfL Wirtschaftsförderung Leverkusen GmbH
„Hochschule & Unternehmen – gemeinsame Ansätze gegen den Fachkräftemangel“

Sehr geehrte Frau Dr. Naderer,
sehr geehrte Frau Prof. Dr. Rehorek,
sehr geehrter Herr Dr. Grigat,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Leverkusen freue ich mich besonders, dass sich der Verein Kunststoffland NRW für seine heutige Sitzung der „Arbeitsgruppe Qualifikation“ für Leverkusen entschieden hat. Wie Sie sehen, sind nicht nur Mitglieder der Arbeitsgruppe hier, um über das wichtige Thema „Qualifikation von Fach- und Führungskräften“ zu sprechen. Zu meiner Freude haben auch viele Leverkusener Unternehmer und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft den Weg hierhin gefunden. Ich hoffe, dass die heutige Gemeinschaftsveranstaltung von Kunststoffland NRW und Wirtschaftsförderung Leverkusen nur der Auftakt ist und wir in Zukunft noch viel zusammenarbeiten.
Wir befinden uns hier im ehemaligen Bahn-Ausbesserungswerk in Opladen, einem Ort mit Geschichte. Über einhundert Jahre war die Werkstatt für Lokomotiven einer der größten und wichtigsten Arbeitgeber im Umkreis. Doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile wird nicht mehr geschraubt und ausgebessert.
Auf dem Fachhochschul-Campus, der hier an dieser Stelle entsteht, wird bald fleißig studiert.
Mit dem Großprojekt „Neue Bahnstadt Opladen“ wurde der Strukturwandel an diesem Standort eingeleitet, der im Jahr 2012 mit der Fertigstellung des neuen Fachhochschulgebäudes einen vorläufigen Höhepunkt erfahren soll.
Der neue Campus gilt schon heute als große Chance für den Standort Leverkusen.
Bis zum Wintersemester 2012/13 sollen hier, in der neuen Außenstelle der Fachhochschule Köln, bis zu 500 Studienplätze im Fach „technische und pharmazeutische Chemie“ entstehen.
Sie sehen: Dieses Stadtumbaugebiet hat bereits eine Aufbruchstimmung erfahren.
Durch das Regionale-2010-Projekt entsteht auf einer Gesamtfläche von 72 Hektar ein lebendiges Stadtquartier, in dem man wohnen kann und das genug Platz für Gewerbe, Büros und Dienstleistungen bietet.
Als Kategorie-A-Projekt der Regionale 2010 genießt die neue Bahnstadt Opladen höchste Priorität. Es ist eine der wichtigsten städtebaulichen Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen und gleichzeitig das größte städtebauliche Projekt in Leverkusen.
Die Kosten für das gesamte Projekt betragen rund 125 Millionen Euro. Bund und Land beteiligen sich mit 58,5 Millionen Euro, knapp 37 Millionen Euro sollen aus Grundstücksverkäufen erwirtschaftet werden. Der Eigenanteil der Stadt Leverkusen beträgt rund 29 Millionen Euro.
Doch nicht nur das alte Bahngelände befindet sich durch das Regionale-2010-Projekt im Umbruch. Auch die Chemiestadt Leverkusen rüstet sich für die Zukunft.
Ein wichtiges Zukunftsthema sind sicherlich die Innovativen Werkstoffe.
Schon heute haben wir sehr gute Startbedingungen, dieses Leitthema erfolgreich umsetzen zu können. Künftig wird diese Branche weiter an Bedeutung gewinnen und dem Standort Leverkusen ein Alleinstellungsmerkmal in der Region verleihen.
Der Grundstein dafür ist bereits gelegt. Vier von landesweit 25 MINT-Schulen, bei denen der Schwerpunkt auf den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik liegt, sind in unserer Stadt. Die Fachhochschule mit ihrem Lehrangebot führt die Ausbildung für die zukünftigen Leistungsträger im Bereich der innovativen Unternehmen nahtlos fort.
Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen sind hierbei eine hervorragende Möglichkeit, genau diese jungen Leute für die Materie zu begeistern und dieses Know-how am Standort zu erhalten.
Meine Damen und Herren, Sie werden die Ergebnisse der jüngsten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bestimmt registriert haben: mehr als 60.000 Stellen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind derzeit nicht besetzt. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das eine alarmierende Nachricht.
Zurückzuführen ist der akute Fachkräftemangel auf den demographischen Wandel. Ein Schlagwort, das allgegenwärtig ist und viele Unternehmen betrifft.
In fast allen Branchen wird qualifiziertes Personal gesucht. Dieser Negativ-Trend wird sich künftig noch verstärken.
Allein für die altersbedingt ausscheidenden Fachkräfte im MINT-Bereich werden nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft jährlich mehr als 50.000 Nachwuchskräfte benötigt. Bei einem Ende des konjunkturellen Abschwungs wird sich der Fachkräftemangel noch weiter verstärken.
Aus diesem Grund haben sich die Arbeitsgemeinschaft „Qualifikation vor Ort“ von Kunststoffland NRW e.V. und die Wirtschaftsförderung Leverkusen entschlossen, aktiv zu werden. Wir möchten Ihnen am heutigen Tag die Möglichkeit geben, sich branchenübergreifend auszutauschen und zu vernetzen, über Folgen und Problemlösungen zu diskutieren und sich von Experten in Fachvorträgen informieren zu lassen.
An dieser Stelle möchte ich den Referenten und Teilnehmern der Podiumsdiskussion danken, die sich bereitwillig für unsere Veranstaltung zur Verfügung stellen und engagiert an einem sehr wichtigen Thema für Leverkusen mitarbeiten.
Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Nachmittag und viele interessante Gespräche beim Get-together im Anschluss an die Podiumsdiskussion.
Vielen Dank!


Hauptseite     Anmerkungen     Nachrichtenübersicht    

Es gibt bisher keine Kommentare zu dieser Meldung!

Einen neuen Kommentar zu dieser Meldung hinzufügen:
Name:
Email: (wird nicht veröffentlicht)
Titel:
Kommentar: (Achtung: Es sind keine Links erlaubt!)


Um das Formular vor Spam zu schützen, muss dieses ReCaptcha gelöst werden:

Achtung: Spammen zwecklos!
Einträge werden erst nach redaktioneller Begutachtung freigeschaltet!




Follow leverkusen on Twitter
Letzte Änderung am 02.02.2011 00:33 von leverkusen.