Stadtplan Leverkusen
12.11.2002 (Quelle: Bayer)
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Fortschritte im 3. Quartal trotz anhaltender Konjunkturschwäche


Herbst-Pressekonferenz der Bayer AG: Umsatz plus acht Prozent /

Um acht Prozent auf 7,2 Milliarden Euro hat der Bayer-Konzern seinen Umsatz im fortzuführenden Geschäft im 3. Quartal 2002 im Vorjahresvergleich steigern können. Einschließlich der nicht fortzuführenden Geschäfte und nach Berücksichtigung der Sonderposten erreichte der Konzern ein operatives Ergebnis von 848 Millionen Euro. Der vor Jahresfrist negative Konzerngewinn stellte sich nun auf 656 Millionen Euro. "Wir haben nun im 3. Quartal trotz eines schwierigen Umfelds Fortschritte erzielt - unsere Strukturmaßnahmen beginnen zu greifen", sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning am Dienstag auf der Herbstpressekonferenz des Konzerns in Leverkusen.
So konnten im Industriegeschäft trotz rückläufiger Umsätze erstmals in diesem Jahr wieder Zuwächse beim operativen Ergebnis gegenüber den Vergleichszeiträumen 2001 erwirtschaftet werden. Erfreut zeigte sich Wenning über den erfolgreichen Verlauf des vor Jahresfrist angekündigten Desinvestitionsprogramms, "angesichts des schwierigen derzeitigen M&A-Marktes keine Selbstverständlichkeit." Damit habe Bayer sein Ziel erreicht, in diesem Jahr drei Milliarden Euro aus den Veräußerungen zu erlösen. Diese wie die noch zu erwartenden Mittelzuflüsse würden primär zur Schuldentilgung eingesetzt. Weiter sei es gelungen, das Working Capital und auch die Nettoverschuldung signifikant zu verringern. Wenning zeigte sich sehr zuversichtlich, das Ziel einer Nettoverschuldung von unter 10 Milliarden Euro bis zum Jahresende zu erreichen. Auch die Kostenstrukturen würden in einem fortlaufenden Prozess überprüft und angepasst. Dabei seien weitere erhebliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro identifiziert worden.

Eine schmerzliche, aber leider notwendige Maßnahme seien zusätzliche Personalanpassungen, sagte der Bayer-Chef. "Wir gehen derzeit davon aus, dass wir unser Personal bis 2005 um etwa 15.000 Stellen abbauen müssen - davon bereits 3.000 in diesem Jahr." In Deutschland würden in den nächsten drei Jahren etwa 5.400 Stellen entfallen. Wenning versicherte: "Wir werden jedoch - wie in der Vergangenheit - alles daran setzen, sozialverträgliche Lösungen zu finden."

In den ersten neun Monaten 2002 lag der Umsatz im fortzuführenden Geschäft nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden mit 21,5 Milliarden Euro um rund 2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft verringerte sich um 42,1 Prozent auf 862 Millionen Euro. "Die Entwicklung war hier durch die Ergebnisausfälle aus dem Vermarktungsstopp von Lipobay und durch die konjunkturelle Entwicklung geprägt", erläuterte Wenning. Außerdem hätten - speziell im Pflanzenschutzgeschäft - die Wirtschaftskrisen in Lateinamerika sowie Sondereffekte im Zusammenhang mit der Aventis CropScience-Übernahme belastend gewirkt. Positiv hätten sich hingegen das Mengenwachstum ausgewirkt sowie Kosteneinsparungen in Höhe von 475 Millionen Euro, sagte Wenning.

Das operative Ergebnis einschließlich der Erträge aus dem nicht fortzuführenden Geschäft wuchs im Dreivierteljahr um 43 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Ausschlaggebend war laut Wenning insbesondere die Veräußerung von Haarmann & Reimer mit 909 Millionen Euro Verkaufsgewinn. Der Konzerngewinn stieg um 79 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Positiv entwickelte sich mit plus 34 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro auch der operative Netto-Cashflow - der höchste Dreivierteljahreswert in der Bayer-Geschichte.

Im Arbeitsgebiet HealthCare sank der Umsatz im 3. Quartal um 5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Maßgeblich hierfür waren vor allem Umsatzrückgänge bei den Pharmaprodukten Ciprobay und Adalat. Das operative Ergebnis vor Sonderposten wuchs deutlich auf 175 (77) Millionen Euro, wobei allerdings im Vorjahresquartal die Marktrücknahme von Lipobay und die Produktionsausfälle bei den Biologischen Produkten besonders belasteten. Im Dreivierteljahr verringerte sich der HealthCare-Umsatz um neun Prozent auf 7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis konnte um zwei Prozent auf 612 Millionen Euro verbessert werden. Dazu trugen laut Wenning Effizienzsteigerungen in allen Geschäftsbereichen sowie höhere Ergebnisse bei Diagnostika, den Biologischen Produkten und Animal Health bei.

Umsatz- und Ergebnissituation des Geschäftsbereichs Pharma seien unverändert durch den Wegfall des Hauptwachstumstreibers Lipobay beeinträchtigt, erklärte der Bayer-Chef. Es seien jedoch umfassende Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet worden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Allerdings müssten weitergehende Schritte als Kostensenkung und Restrukturierung erfolgen, "um Pharma nachhaltig in eine andere Ergebniskategorie zu bringen." Wenning: "Unsere präferierte Option ist die Kombination unseres Pharma-Geschäfts mit den Pharma-Aktivitäten eines anderen Unternehmens." Die angestrebte Partnerschaft werde nicht an starren Beteiligungsansprüchen scheitern, denn "eine Partnerschaft, in der Bayer die Mehrheit hält und die gleichzeitig unserem Geschäft weiterhilft, ist nicht mehr realistisch. Diese Option verfolgen wir daher derzeit nicht mit Priorität."

Jetzt gelte es, das volle Potenzial des eigenen Pharmageschäfts zu realisieren, die Restrukturierung konsequent weiter zu verfolgen und die Markteinführung neuer Produkte optimal vorzubereiten. "Je besser uns das gelingt, desto größer ist unser Gewicht in einer Partnerschaft", sagte Wenning. Bayer befinde sich in sehr guten und sehr konstruktiven Gesprächen und sei zuversichtlich, dass diese zu einer werthaltigen Lösung für das Pharmageschäft führen werden.

Bei dem seit 1. Oktober 2002 selbstständigen Teilkonzern Bayer CropScience war die Umsatz- und Ergebnisentwicklung ganz wesentlich durch die Akquisition von Aventis CropScience geprägt. Der Umsatz wuchs im 3. Quartal auf 1,3 (0,6) Milliarden Euro, ohne das zugekaufte Geschäft sank er hingegen um neun Prozent. Maßgeblich verantwortlich dafür waren die Wechselkursentwicklung des Euro zum Dollar sowie die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme in Lateinamerika. Bayer CropScience habe jedoch keine Marktanteile verloren, da der Markt in ähnlicher Größenordnung geschrumpft sei, sagte Wenning. Das operative Ergebnis verminderte sich um 210 auf minus 216 Millionen Euro. Im Dreivierteljahr stellte sich das operative Ergebnis auf minus 52 Millionen Euro. Zwar habe das zusätzliche Aventis-Geschäft 110 Millionen Euro Ergebnisbeitrag gebracht, aber allein die Goodwill-Abschreibungen und die Neubewertung der Vorräte nach dem Erwerb von Aventis CropScience hätten sich mit 329 Millionen Euro ausgewirkt. Hierbei handele es sich aber zu einem Großteil um Einmaleffekte. Die Wirtschaftskrise in Lateinamerika sowie die Integrationskosten hätten das Ergebnis zusätzlich mit 140 Millionen Euro belastet.

Das Arbeitsgebiet Polymers konnte trotz eines nahezu konstanten Umsatzes von 2,7 Milliarden Euro das operative Ergebnis auf 152 (75) Millionen Euro mehr als verdoppeln. Auch hier wirkten sich die Kostenstruktur- und Effizienzprogramme aus, erläuterte Wenning. Insgesamt sollen nach seinen Angaben von 2002 bis 2005 Einsparungen von 600 Millionen erreicht werden - davon bereits 140 Millionen Euro in diesem Jahr.

In der Chemie sank der Umsatz im 3. Quartal zwar währungsbedingt um acht Prozent auf 796 Millionen Euro, aber das operative Ergebnis stieg deutlich auf 52 (7) Millionen Euro. Im Dreivierteljahr ging das Ergebnis aufgrund der Ertragslage bei H.C. Starck um 39 Prozent auf 159 Millionen Euro zurück. Wenning: "Ohne diesen Geschäftsbereich liegt unser Ergebnis beim operativen Ergebnis 15 Prozent über Vorjahr - und das bei zehnprozentigem Umsatzrückgang." Insgesamt bestehe im Bereich Chemicals bis 2005 ein Einsparpotenzial von rund 210 Millionen Euro.

Deutliche Kritik übte der Bayer-Vorstandsvorsitzende an der Politik der rot-grünen Bundesregierung. Angesichts der schwierigen Situation der gesamten Weltwirtschaft seien dringend Konjunkturimpulse notwendig, um die Nachfrage anzukurbeln. Solche Impulse seien in Deutschland aber nicht erkennbar. "Im Gegenteil, es drohen deutliche Steuer- und Abgabenerhöhungen", sagte er. Das geplante "Steuervergünstigungsabbaugesetz" würde bei Bayer einmalig über 80 Millionen Euro sowie zusätzlich jährliche Belastungen von rund 160 Millionen Euro verursachen. Hinzu kämen die weiteren Aufwendungen, die aus der Anhebung der Sozialversicherungsbeiträge und der Beitragsbemessungsgrenzen sowie der Ökosteuer resultierten.

Sollten die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, würde dies zu einer ernsthaften Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen führen und das ohnehin ungünstige Investitionsklima noch weiter gefährdet. Und damit wäre der gesamte Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr. "Die auf uns zukommenden Steuerbelastungen sind nicht tragbar und würden sich auch auf künftige unternehmerische Entscheidungen auswirken", so Wenning.

Neben den Steuerplänen bereiteten Bayer als Pharma-Unternehmen auch die Sparpläne des Gesundheitsministeriums große Sorgen. "Dem Pharmastandort Deutschland würde hierdurch schwerer Schaden zugefügt." Forschung und Investitionen hierzulande müssten gekürzt werden - ein Verlust weiterer zukunftsfähiger Arbeitsplätze wäre die zwangsläufige Folge. Wenning appellierte daher nochmals an die Politiker aller Parteien, bei den parlamentarischen Beratungen der steuer- und gesundheitspolitischen Regelungen auch deren negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Arbeitnehmer und die Konsumenten zu beachten.
Pharma-Partnersuche wird nicht an starren Beteiligungsansprüchen scheitern


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Letzte Änderung am 10.05.2015 15:21 von leverkusen.
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