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Das war wohl nichts, Heiner
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Läuft der Kapitalismus aus dem Ruder? Sind die Geier der Wall Street und der Frankfurter
Börse endgültig ausgeflippt, so daß der Staat den Börsenzockern einen Dämpfer verpassen muß?
Diese Meinung teilen der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler (bekannt wegen seines Humors)
und der CDU-Abgeordnete Heiner Geißler. Beide fordern eine stärkere Besteuerung von
Spekulationsgewinnen an der Börse. Geißler fügte noch hinzu, es ginge nicht an, wenn Unternehmen Tausende von Arbeitskräften entließen und ihre Aktienkurse daraufhin in die Höhe schössen. Einige wenige Spekulanten würden reich auf Kosten der Arbeiter. Da solle der
Staat wenigstens mitverdienen. So Geißlers Argumentationsmuster.
In der Tat sind (oder waren) fast alle Börsenindizes in Deutschland, Europa und den USA auf
einsamen Höchstwerten. Trotzdem liegt der frühere CDU-Generalsekretär falsch.
Denn Stellenstreichungen und steigende Börsenkurse haben nur wenig miteinander zu tun.
Für den Börsenkurs entscheidend ist die Zukunftsaussicht für das jeweilige Unternehmen.
Wenn es durch Entlassungen wettbewerbsfähiger werden kann, hilft das den Kursen natürlich
auf die Sprünge. Aber es kommt auch vor, daß ein Unternehmen Arbeitnehmer entläßt, aber
die Anleger den Kurs trotzdem nach unten prügeln, weil sie vom Management oder den
Produkten nicht überzeugt sind.
Umgekehrt: Das deutsche Ausnahmeunternehmen SAP hat zur Zeit sogar Schwierigkeiten, qualifizierte Kräfte zu finden, und hinkt mit dem Einstellen hinter der Nachfrage nach seinen Produkten. her. Trotzdem ist der SAP-Börsenkurs eine der größten internationalen Erfolgsstories der letzten Jahre.
Besondere Schlagzeilen machte zuletzt das Börsensegment "Neuer Markt". Hier werden Aktien von relativ kleinen, aber stark wachstumsorientierten Unternehmen gehandelt.
Der "Neue Markt" war eingerichtet worden, um innovativen Mittelständlern den Börsengang zu erleichtern. Dies wird nach dem Vorbild der US-Computerbörse Nasdaq erreicht durch sogenannte "market maker", die dauernd Kurse stellen, so daß Anleger Aktien jederzeit kaufen oder verkaufen können. (Das ist bei kleinen Werten an der herkömmlichen Börse nicht gewährleistet.) Das machte den "Neuen Markt" auf einen Schlag ungeheuer populär.
Manche Kurse schlugen in den letzten Monaten Purzelbäume. Die Aktie des Telekommunikationsunternehmens MobilCom startete mit einem Emissionspreis von 62,50 DM
und steht derzeit bei etwa 1300 DM. Das ist vermutlich überzogen und nährt Vorbehalte
gegen Spekulanten.
Aber entscheidend ist: Die zur Zeit etwa 20 Unternehmen am "Neuen Markt" nahmen durch
ihre Börsengänge zusammen etwa 1,5 Milliarden DM ein und schufen damit 3000 neue
Arbeitsplätze.
Das hört sich nicht viel an. Aber es sind schließlich kleine Unternehmen, und der "Neue
Markt" ist gerade erst ein Jahr alt. Eins wird deutlich: Kleine, innovative Unternehmen
schaffen Arbeitsplätze, nicht die großen.
Wenn ihnen die Börse dabei durch attraktive Rahmenbedingungen zur Eigenkapitalaufnahme
hilft, selbst wenn Spekulanten nur zu gern darauf eingehen - warum eigentlich nicht, wenn
unter dem Strich Nutzen für alle dabei herauskommt? Eine Spekulationssteuer würde
vermutlich sogar Arbeitsplätze kosten. Heiner, überschlaf' das ganze noch mal.
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