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Rote Flotte:
An Bord der Roten Rache. Die beiden Bodyguards greifen mit ekelerregendem Grinsen in ihre Jackentaschen ... Oskar Lafontaine: Gerhard. Ich bin's langsam leid. Deine Zeit als Kapitän läuft ab. Gerhard Schröder: Womit willst du denn diesmal meinen Rücktritt erpressen? Ein Nachmittag mit Gregor I.M. Gysi? Eine virtuelle Autofahrt mit Lady Di in Paris? Oskar Lafontaine: Viel schlimmer ... Der eine Bodyguard zieht "Das Kapital" von Marx, der andere ein antikes Handy aus der Tasche. Der Bodyguard: Ihre Exfrau, Sir. Gerhard Schröder (runzelt die Stirn, beginnt in Gedanken fieberhaft zu rechnen): Welche denn? Das Handy (beginnt markerschütternd zu plärren): Vegatarische Ernährung ... Unterhalt ... auf dem Sofa schlafen ... deine nächste wird immer jünger ... Gerhard Schröder (stößt unartikulierte Laute aus, bricht zusammen und wird von Sanitätsrobotern auf die Krankenstation geschafft) .... Oskar Lafontaine: Ich wußte, daß ihn das schafft. (Zum Bodyguard) Mach' das Band aus. (zu Manni Stolpe) Danke, daß du mir das damals aufgezeichnet hast. Manni Stolpe: Keine Ursache. Das Fiskalgespenst Matthäus-Maier (spukt mit einem Teilplan von Braue Waigels letzten Schwarzen Etat-Löchern auf die Brücke): Gerhard, das wird dich interessier- Huch! Wo ist er hin? Oskar Lafontaine: Auf der Krankenstation. (süffisant) Er wollte endlich mal bei der Geburt seiner zukünftigen Lebensabschnittspartnerin dabeisein. (an die übrigen) Seid ihr mit der demokratischen Entscheidung einverstanden, daß nach Gerhards Rücktritt das Ein-KapitänPrinzip herrscht? Manni Stolpe: Genau: Eine Besatzung, ein Schiff, ein ... Das Hologramm von Herbert Wehner vergießt eine salzhaltige klare Substanz und stößt gleichzeitig schluchzende Laute aus, während die Rote Rache sich unter einheitlicher Führung nach links begibt ...
SOS ... SOS ... SOS ... SOS ... SOS ... An Bord der Kohlrabia. Long John Schäuble: Faszinierend! Sie galt als unsinkbar. Claudia Nolte: Sir, ich höre Schüsse von altmodischen Projektschleudern von der Bavaria! Helmut T. Kohl: Schüsse? An Bord der "FJS Bavaria". Wieder knallt ein Sektkorken gegen die Decke, und wieder werden die Gläser randvoll gefüllt. Selbst der Namenspatron des Schiffes strahlt in seiner Nische für Kultzwecke. Uhura Bötsch: Sollen wir Rettungsmaßnahmen einleiten, Sir? Eddie Stoiber: Das soll ja wohl ein Witz sein! Je kläglicher sie untergehen, desto besser. Es soll eine Demütigung sein, ein Massaker. Überlebende sind nicht erwünscht. An Bord der "Roten Socke", der Rettungskapsel von Erichs Rotem Trabanten. Im Innenraum allerlei verstaubte Reliquien eines untergegangenen Imperiums, das nie zurückschlägt: Winkelemente, Daguerreotypien eines saarländischen Dachdeckergesellen, 23 Kisten mit exakt 14121 verschiedenen Orden des öffentlichen Lebens und anderer Ballast der Republik.
Gregor I.M. Gysi (monologisierend):
Wird von einem erneuten Notruf der "HDG Kapital" unterbrochen:
SOS ... SOS ... SOS ... SOS ... SOS ... Gregor I.M. Gysi (läßt ein kleines gelbes Heft seiner Hand entschweben): Verdammt! (Er wendet sich an eingebildete Zuhörer.) Ist Euch klar, Genossen, was das heißt? (winkt ab) Nein, natürlich nicht. Niemandem ist das klar. (redet sich in Rage) Ich bin nur von Idioten umgeben, die in Erinnerungen an Erichs Roten Trabanten schwelgen. Alle sagen: Strategie und Taktik? Gregor, mach mal. Genossen, das Ende der "HDG Kapital" wäre für uns verheerend, weil dann die "Rote Rache" und die "Öko Warrior III" möglicherweise mit der Schwarzen Flotte allein fertigwerden könnten. Und wo bleiben wir dann? Nein! (beschwörend) Macht mir die Schwarze Flotte stark! Natürlich nicht zu stark. Nur so, daß Fischer und Lafontaine uns zum Sieg brauchen. (hebt belehrend den Zeigefinger) Denn, Genossen, es ist zwar schön und gut, im Quadranten-Tag mehr zu verdienen als selbst Erich früher auf seinem Roten Trabanten. (verträumt) Und im Pizza-Quadranten des Sternensystems Europa gibt es einen wunderbaren Landstrich, der "Toskana" heißt ... (reißt sich zusammen) Aber, Genossen, nur die Macht über den 15. Quadranten kann uns jenen Genuß wiederbringen, den wir nach dem Ende von Erichs Rotem Trabanten verloren haben - Schiffslautsprecher: Hier spricht der automatische Ansagedienst der QuadPol [Quadrantenpolizei]. Wir danken Ihnen für die Offenlegung Ihrer Umsturzpläne. Aufgrund der automatischen akustischen Observation gemäß §§ 83, 97, 101, 1024b GPO [Galaktische Prozeßordnung] in Verbindung mit §§ 1, 2, 17 LSBzWbG [Leutheusser-Schnarrenberger-zum-Weinen-bringen-Gesetz] werden Sie bis zum Beginn Ihrer Verhandlung in ein Gauck-Kontinuum transferiert. Alles, was Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen haben, sagen Sie bitte nach dem Piepton. Ende der Übertragung. (langer Piepton) Gregor I.M. Gysi: Hey, Moment mal! Lauschen, das war mein Job! Ihr könnt doch nicht einfach - (Wird von der Brücke gebeamt und ward nicht mehr gesehen.)
0,214 Sternzeiten später. Die Flotten mit ihren Schiffen haben sich zum großen Showdown
versammelt. Vor dieser historischen Schlacht, an der noch viele Generationen zu knabbern haben werden, werfen wir noch einmal einen Blick auf die edlen Streiter, die sich in voller
Schönheit zum Kampf um unser Wohlergehen gerüstet haben. Mit Ausnahme der "Roten
Socke", die führerlos durch den Weltraum irrlichtert ...
Sie wollen etwas über die "HDG Kapital" hören? Melden Sie sich beim intergalaktischen Konkursverwalter. Vielleicht haben Sie dabei auch einen verurteilten ehemaligen Finanztycoon am Rohr (wie man umgangssprachlich vor 300 Sternzeiten sagte), der dort im Freigang seine Reststrafe ableistet. Das Schicksal der "FJS Bavaria" ist besonders tragisch. Nach einem Schwenk um 218 Grad auf Anweisung von P.A.P.S.T. (Prinzipientreuer Altersschwacher Psalmenfester Startbahnküssender Theologe) entkommt die Bavaria zwar dem Großen Crash, verliert sich aber in einem Superschwarzen Loch und irrt seitdem im Sternbild "Kreuz des Südens" umher.
Und Dr. H.C. Rau? Der nach der Kollision und Wegfall seiner irdischen Ziele verschiedene Bordschamane schwebt engelgleich in höheren Sphären und geht dort allen Cherubimen und himmlischen Heerscharen mit seinen Bibelzitaten auf die Nerven. (Anmerkung der Autoren: Wir machen darauf aufmerksam, daß wir in einigen Sternzeiten, wenn die Star-Schreck-Trilogie längst Kultstatus erreicht haben und wir durch exorbitante Tantiemen-Einnahmen gegen Beleidigungsklagen besser gewappnet sein werden, einen "director's cut" auflegen werden, der alle heute noch zu geschmacklosen oder zu teuren Wahrheiten schonungslos zeigt.) G.D. / K.R. / MiWi |
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