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Viel Show, wenig Konkretes
Der Innovationspark kommt nicht recht vom Fleck
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Eigentlich bedarf es ja schon überhaupt nicht mehr der Erwähnung, wenn Leverkusens Oberbürgermeister Dr. Walter Mende zum wiederholten Male Mitglieder der nordrhein-westfälischen Landesregierung rheinaufwärts aus Düsseldorf nach Leverkusen holt. Da wird kaum eine passende oder unpassende Gelegenheit ausgelassen. So konnte sich Ilse Brusis, Ministerin für Stadtentwicklung, wieder einmal im Bedienen schweren Baugeräts üben.
Es galt, auf dem ehemaligen Wuppermanngelände, dem künftigen Innovationspark Leverkusen (IPL), den Startschuß für die Erschließungsmaßnahmen zu geben. Symbolisiert wurde das ganze durch die Versenkung einer ersten Betonröhre für einen neuen unterirdischen Kanal - eben durch die Ministerin höchstselbst.
Arbeitsplätze ja - Biotech nein?
Nun kann man die Werbetrommel für den Innovationspark im Hinblick auf ansiedlungswillige Investoren und Firmengründer nicht laut genug rühren, dies rechtfertigt dann doch schon einmal den ministeriellen Einsatz. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - gar zunehmende Selbstinszenierung unseres Oberbürgermeisters wittert. Der hat schließlich den Innovationspark zu seiner vornehmsten Chefsache erklärt.
Somit stellte er sich an die Spitze der Bewegung, die im Rat der Stadt fraktionsübergreifend von den beiden großen Parteien getragen wird.
Nur Bündnis 90/Die Grünen stören diesen Konsens, indem sie sich ausgerechnet an den beiden ersten konkreten Ansiedlungen reiben, die sich auf dem Areal im Gründer- und Innovationszentrum (GIZ) niederlassen wollen: Handelt es sich dabei doch um zwei Biotech-Unternehmen. Bekanntlich produzieren solche Teufelswerke gentechnisch manipulierte Killertomaten. Immerhin haben die Leverkusener Grünen dem Macher Mende ja schon einmal die Suppe
kräftig mit versalzen, als es darum ging, die größte Molkerei der Region auf die "Bullenwiese" in Schlebusch zu holen.
Zurück zu IPL in Manfort. Ursprünglich war für ihn von fünf- bis sechstausend neuen Arbeitsplätzen die Rede. Zu diesem Zweck scheute man selbst eine Werbekampagne in der renommierten "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nicht, die schließlich zur täglichen Lektüre der
meisten "Entscheider" am Standort Deutschland zählt. Freilich gestaltete sich dieser Werbefeldzug derart professionell, daß dieser zwar kaum einem professionellen Investor, sondern lediglich unserer Redaktion auffiel (dank einer starken Lupe).
Mittlerweile ist man dann doch etwas bescheidener geworden, was die Zahl der freilich bitter notwendigen Arbeitsplätze anbelangt. So ist erst einmal von 450 neuen Arbeitsplätzen die Rede. Diese werden allerdings anhand von "groben Kontakten" hochgerechnet, die man derzeit mit 19 interessierten Firmen pflegt.
"Grobe Kontakte"
Fragt sich nur, was man unter "groben Kontakten" versteht? Vermutlich vor allen Dingen lauter Unverbindlichkeiten. Außerdem läßt man lieber einmal dahingestellt, mit wieviel Kommunen
in den alten und neuen Bundesländern diese besagten Firmen in Verbindungen stehen - die
eventuell schon über das "Grobe" hinausgegangen sind.
Die Akteure auf dem Brachgelände des IPL sollten unter dem von ihnen inszenierten Blitzlichtgewitter der Presse mal lieber ein bißchen mehr Zurückhaltung üben. Schließlich ist es
ratsam, die Projekte erst dann zu feiern, wenn die Tinte unter den Verträgen trocken ist. Man
führe sich zum Vergleich nur einmal das Beispiel des Gewerbeparks auf der Schusterinsel in
Opladen vor Augen. Diese umfaßt nur einen Bruchteil der Größe des geplanten IPL. Der Zeitraum vom Abbruch über die neuerliche Erschließung bis hin zur letzten Gewerbeansiedlung
auf der Schusterinsel lag noch lange vor dem Zeitpunkt, als die Grenzen zwischen Ost und
West fielen und potentiellen Investoren besonders in den neuen Bundesländern neben voll erschlossenen Gewerbeflächen auch alle nur denkbaren Subventionen, Vergünstigungen und
Fördermittel aus den verschiedenen Töpfen zur Verfügung standen.
15 Jahre zu spät?
Währenddessen übte sich Leverkusen lieber im Erhöhen der Gwerbesteuersätze. Durch die
rot-grüne Regierungskoalition in Düsseldorf veränderten sich zudem die Rahmenbedingungen
Nordrhein-Westfalens nicht zum Vorteil.
Analog zu Garzweiler II läßt hier die Sau grüßen, die die Grünen in Form von Gentechnologie
nur zu gerne durch das Dorf treiben möchten.
Selbst im benachbarten Köln steht mit dem mittlerweile abgeräumten Gelände der Chemischen Fabrik Kalk ein vergleichbares Angebot zur Verfügung. Zwar auch nur schwerlich "an
den Mann" zu bringen - aber immerhin innerhalb kürzerer Zeit für eine neue Nutzung verfügbar, als es beim Innovtionspark hier der Fall war.
Insgesamt kommt die Nutzbarmachung der Manforter Industrie- und Gewerbefläche rund 15
Jahre zu spät. Der zug für den "großen Wurf" ist schon längst abgefahren. Dabei hätte nicht
nur Leverkusen mögliche Arbeitsplätze dort und an anderen Stellen im Stadtgebiet nötiger
denn je. Einstweilen jedoch dient der Innovationspark mehr zur Selbstdarstellung unseres
Oberbürgermeisters, der sich nur zu gern in der Rolle des wirtschaftsnahen Konzernverwalters sieht.
U.M.
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