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Bittere Pillen und neue Hoffnung
Das war die Saison 96/97
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Das Jahr eins nach Bosmann - nun ist es für Basketballer von Bayer 04 Geschichte. Nach
dem Weggang der Leistungsträger Michael Koch, Henning Harnisch, Christian Welp, Chris
Corchiani und Sascha Hupmann hielten die Leverkusener Ausschau nach neuen Ufern. Nur
Tony Dawson, Denis Wucherer und Hansi Gnad blieben der ersten Mannschaft in der nun
abgelaufenen Spielzeit erhalten.
Man wollte die Not zur Tugend machen und verpflichtete "dank Bosman" drei Spieler mit
EU-Paß (Esposito, Baldi, Brennan) und als Playmaker auf der freigewordenen
(nicht-EU-)Ausländerposition Kevin Pritchard. Wenig verwunderlich bei diesem fast
vollständigen Neuaufbau war, daß die Mannschaft recht lange brauchte, bis sie sich
einigermaßen zusammengerauft hatte. Die erste Bundesliga-Niederlage gegen "Underdog"
TuS Herten kam sehr schnell, und auch im Pokalwettbewerb waren die Korbjäger aus dem
Ruhrgebiet bald Endstation für die "Riesen vom Rhein".
Schmerzhafte Niederlagen
Enttäuschend war auch das Abschneiden in der Europaliga. Während Liga-Konkurrent ALBA
Berlin einen Sieg nach dem anderen einfuhr, mußte man in Leverkusen bis zum Spiel in
Bologna im Januar auf das erste Erfolgserlebnis warten. Dementsprechend schnell nahm auch
das Interesse des Deutschen Sportfernsehens (DSF) an Live-Übertragungen aus Leverkusen
ab. Als ob es Absicht gewesen wäre, zeigte DSF aber die schmerzhaftesten
Bundesliga-Niederlagen der Bayer-Riesen in Rhöndorf, Berlin und Bonn live. Außerdem wurden
wichtige Heimspiele (in Hinsicht auf die Play-Off-Plazierung) gegen Ulm und Trier verloren.
Die Häme war groß, die Bayer-Einkaufspolitik erschien als ein einziger Reinfall. Viele sahen
den Leverkusener Basketball schon im freien Fall in die Zweitklassigkeit. Zu diesem Zeitpunkt
erklärte die Führung der Basketball-Abteilung ihren einstweiligen Verzicht auf eine weitere
Europaliga-Teilnahme, selbst wenn der Abstieg verhindert werden könnte. Der Neuaufbau mit
jungen Spielern wurde zum Ziel erklärt. Ein erster Schritt in diese Richtung sollte die
Verpflichtung von Radisa Zdravkovic aus Ludwigsburg sein.
Doch so leicht waren die "Riesen vom Rhein" dann doch nicht kleinzukriegen. Tony Dawson
fand nach seinen Verletzungen zu alter Spielstärke zurück, Kevin Pritchard kam langsam in
Schwung. So waren Hansi Gnad und Denis Wucherer nicht mehr die einzigen Spieler auf die
Chefcoach Bauermann zählen konnte. Und auch der vielgeschmähte "zweitklassige" Italiener
Riccardo Esposito konnte in manchen Spielen mit beachtlichen Wurfquoten von der
Dreipunkte-Linie glänzen.
Talsohle durchschritten
Kinder Bologna mußte sich zweimal gegen Bayer geschlagen geben. In der Bundesliga konnte
Bayer dem Dauerkonkurrenten ALBA Berlin nach einer Traumserie von 24 Siegen in Folge den
Nimbus der Unschlagbarkeit rauben. Im Play-Off-Viertelfinale ließ man gegen Tally
Oberelchingen nichts anbrennen (4-0 Siege). Doch im Halbfinale war dann ALBA Berlin
Endstation für die Bayer-Riesen (1 Sieg, 3 Niederlagen). Daß ALBA mit der stärkeren Bank
einfach den längeren Atem hatte, muß neidlos anerkannt werden. Schließlich konnten die
Berliner auch zweimal den späteren Europaliga-Champion Olympiakos Piräus (mit
Ex-Bayer-Center Christian Welp) besiegen.
Obwohl man sich in Leverkusen natürlich den Einzug ins Finale trotz aller bitterer Pillen immer
noch erhofft hatte - die letzten Spiele der "Riesen vom Rhein" gaben einigen Anlaß zu neuer
Zuversicht. Die Art und Weise, wie die Mannschaft selbst bei scheinbar aussichtslosen
Spielständen noch weiterkämpfte, zeigt, daß die Spieler durchaus motivationsfähig sind.
Besonders erwähnt sei hier das Auftreten des erst 17jährigen Goran Kovacev bei den
Halbfinalspielen gegen ALBA. Er war es, der bei einem sieben-Punkte-Rückstand kurz vor
Schluß des zweiten Spiels die Ruhe bewahrte und die Mannschaft wieder ranbrachte, so daß
man schließlich noch mit 101:100 gewinnen konnte. Ebenfalls seine Leistung war es im vierten
Spiel, daß die Bayer-Basketballer nach einem zehn-Punkte-Rückstand Mitte der ersten
Halbzeit zur Pause wieder in Führung gehen konnten. Der Youngster hat sich dadurch für eine
zentrale Position im Bayer-Team der kommenden Saison bei Trainer Dirk Bauermann
empfohlen.
Unerwartetes
Apropos Jahr eins nach Bosman: Die veränderten Rahmenbedingungen machten nicht nur
Bayer 04 schwer zu schaffen. Auch andere traditionsreiche Basketballteams wie Brandt
Hagen oder der vor der Saison gar als Geheimtip für die Meisterschaft gehandelte MTV
Gießen hatten ihre Probleme. Eigentlich traf es die beiden Vereine noch viel härter: Sie mußten
den Gang in die Relegation antreten. (Den sie aber letztlich erfolgreich hinter sich bringen
konnten.) Wieder andere Vereine profitierten dagegen von den neuen Gegebenheiten. Etwa die
Telekom Baskets Bonn. Der Aufsteiger, siebter nach der Hauptrunde, warf im
Play-Off-Viertelfinale den Lokalrivalen (und Tabellenzweiten) Tatami Rhöndorf aus dem
Wettbewerb und schaffte sogar den Sprung ins Finale gegen die Albatrosse aus Berlin. Eines
stimmt auf jeden Fall: Die Zeiten, wo Bayer und ALBA allein ihre Kreise an der Spitze zogen,
sind vorbei. Es ist wieder spannend geworden.
Nachbemerkung Nummer zwei: Aktuelle Nachrichten, insbesondere auch über den nun
anstehenden Neuaufbau der "Riesen vom Rhein" gibt's im Internet unter
www.leverkusen.com/bayer04.
M.W.
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