|
|

| |
Neue Runde im diplomatischen Kasperletheater
Nachdem die EU-Staaten mit Ausnahme Griechenlands ihre Botschafter aus Teheran
abzogen, um nach der Verkündung des Mykonos-Urteils Solidarität mit Deutschland zu zeigen, sollte nun Anfang Mai wieder diplomatischer Alltag Einzug halten.
So sollten alle EU-Botschafter wieder in den Iran zurückkehren und ihre Arbeit wieder
aufnehmen, allerdings mit "eingefrorenem kritischen Dialog".
Teheran verweigerte jedoch dem deutschen Botschafter die Einreise, und man hörte aus
offiziellen Kreisen, daß die iranische Staatsführung auch nicht böse sei, wenn er nie
wiederkehren würde.
Diese diplomatischen Mätzchen waren nach dem Urteil zu erwarten. Zu erwarten war auch,
daß die EU, die ja offiziell immer bemüht ist, mit einer Zunge zu sprechen, wieder ein lustiges
Bild abgibt. Griechenland zog den Botschafter gar nicht erst ab, Italien schickte seinen trotz
deutschem Einreiseverbot schon zurück.
Auf diese Weise wird der Staat Iran bestimmt von der geschlossenen europäischen
Außenpolitik begeistert sein und in einigen Wochen gönnerhaft auch dem deutschen
Botschafter die Einreise gewähren - kriech, kriech, kriech......
MiWi
Börsenrekorde auf Kosten der Schwachen?
Daß Börsenkurse und Arbeitslosenzahlen derzeit frivolerweise gleichzeitig in die Höhe
schießen, ist ein zu schönes Zusammentreffen, als daß der durchschnittliche Festredner der
diesjährigen Erste-Mai-Demonstrationen sich das entgehen lassen konnte. Dieser Umstand
wurde als Indiz dafür genommen, daß es wenigen Reichen immer besser und der Masse der
Menschen immer schlechter gehe, und Schuld daran habe (natürlich) die Politik der
Bundesregierung.
Da die Deutschen in ihrer Mehrheit (trotz Telekom) immer noch nicht begreifen , wie eine
Börse funktioniert (dunkle Mächte sind am Werk, die die Kurse manipulieren usw.), ist diese
Rhetorik mit Bart wahrscheinlich nicht einmal völlig wirkungslos.
Aber fatal. Im Vergleich mit Großbritannien und den USA ist die deutsche Börse geradezu
erschreckend klein: Während hier etwa 800 Aktiengesellschaften notiert werden, sind es in
den USA über 40.000!
Es ist wirklich ein Witz: Während die Macht der Banken beklagt wird, die sich aus deren
überragender Stellung bei Unternehmensfinanzierungen ergibt, wird die Alternative, der Gang
an die Börse, von verbohrten Funktionären madig gemacht.
Natürlich wird in diesem Zusammenhang gern behauptet, die Unternehmen würden zugunsten
der Aktionäre Arbeitnehmer entlassen. Doch das ist Unfug. Abgesehen davon, daß viele
ausgesprochene Wachstumsunternehmen an der Börse notiert sind, die Menschen einstellen
oder anderweitig expandieren (in den USA z.B. Microsoft und Intel, in Deutschland SAP):
Besonders die großen deutschen Konzerne, z.B. die Autobauer, müssen immer produktiver
und besser werden, um der globalen, knallharten Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu
sein. Das hat mit Börsenkursen so gut wie nichts zu tun - auch nicht-börsennotierte
Unternehmen sind dazu gezwungen, wenn sie überleben wollen. Daß die Aufsichtsräte der
großen Konzerne zur Hälfte mit Gewerkschaftern besetzt sind (DGB-Chef Schulte sitz z.B.
jetzt im Bayer-Aufsichtsrat), sei nur am Rande erwähnt.
Die Gewerkschaften könnten mit "Bündnissen für Arbeit" und Lohnzurückhaltung weit mehr
für die deutschen Arbeitnehmer tun als mit rhetorischen Luftblasen.
Übrigens: Der bisher größte Börsen- bzw. Insiderskandal in Deutschland geht auf das Konto
des ehemaligen IG-Metall-Chefs Franz Steinkühler. Schon vergessen?
G.D.
| |
|