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Siedlung Kanalstr. ist hier zu finden: Kanalstr.
Charakteristische / Nachrichtliche Merkmale
Siedlung mit zweigeschossigen Wohngebäuden im Stil des Expressionismus der 1920er Jahre

Bauentwicklung

In den Jahren 1925 -1931 wurde in der Stadt Opladen, einem heutigen Stadtteil von Leverkusen, eine Siedlung mit 302 Wohnungen durch den Gemeinnützigen Bauverein Opladen für seine Mitglieder errichtet. Der Architekt der Siedlung war Georg Schollmayer aus Opladen. Die Siedlung wurde auf einem von bereits bestehenden Straßen begrenzten, trapezförmigem Areal angelegt. Heute begrenzen die Straßen Kanalstraße, Vereinsstraße, Reuschenberger Straße und Bracknellstraße (ehemals Feldstraße) die Siedlung. Dieses Areal wird durch zwei rechtwinklig angeordnete Erschließungsstraßen durchzogen, an deren Kreuzung ein kleiner rechteckiger Platz liegt, der die Mitte der gesamten Siedlung betont. Ein weiterer Siedlungsteil mit fünf denkmalwerten Wohngebäuden schließt südlich der Reuschenberger Straße an. Als erste Gebäude wurde die Baugruppe Kanalstraße 79-85 in den Jahren 1924/25 erbaut. 1926 folgte die Baugruppe Kanal-/Vereinsstraße. Die bauliche Entwicklung ging alljährlich in einzelnen Bauabschnitten entlang der Vereinsstraße weiter nach Süden und von hier 1929-31 nach Osten bis zur Ecke Reuschenberger Straße/Bracknellstraße. Die Wohngebäude Reuschenberger Straße 21/29/31 wurden 1938, 23/25/27 erst 1939 fertiggestellt. Gestaltungselemente und Konstruktion Die 69 Siedlungshäuser wurden in insgesamt fünf aufgelockerten Baublöcken angeordnet, so dass an den Schmalseiten mit Torbögen Durchgänge in die Innenbereiche entstanden. Entlang der Kanal- und Bracknellstraße verhinderten bestehende Wohngebäude, teilweise auch unbebaute Grundstücke in privatem Grundbesitz die städtebauliche Schließung des nördlichen Baublocks. Vorwiegend ist expressionistische Bauweise anzutreffen. Diese Bauform tritt insbesondere in den spitzen und abgetreppten Dachgiebeln, den zahlreichen horizontalen Gesimsen, den plastischen Türgewänden und Hauseingangstüren in Erscheinung. Vereinzelt sind Formen traditioneller Architektur anzutreffen, z.B. Fenster- und Schlaglädenteilungen und Rundbogenfenster der Gauben. Die Wohngebäude wurden als zweigeschossige, langgestreckte Haustypen mit Walmdächern errichtet. Die bauzeitlich ausgebauten Dächer zeichnen sich größtenteils durch ihre Dachaufbauten mit Schleppdächern, seltener über Gauben mit Tonnendächern in der äußeren Gestaltung ab. Die Dächer sind tief heruntergezogen und finden ihren Abschluß in einem weit auskragenden Dachkasten. Im unteren Drittel knicken die Dachflächen schwungvoll nach oben ab. Die unteren Grate und Dachflächen weisen eine flachere Dachneigung auf. Größtenteils sind naturrote Dachpfannen anzutreffen. Die Siedlung akzentuierte Architekt Schollmayer mit eingezogenen Gebäudeecken. Diese Fassadenrücksprünge markieren städtebaulich die Straßenecken und -einmündungen und lassen kleine Platzräume entstehen. Die Straßeneinmündungen Otto-Wels-Straße/Bracknellstraße und Im Kreuzbruch/ Reuschenberger Straße betonte Schollmayer zusätzlich durch zwei zur Straße symmetrisch angeordnete Linden, die die Torsituation gestalterisch verstärken. Analog handelt es sich bei der Straßenmündung Otto-Wels-Straße/Vereinsstraße um zwei Pappeln. Am zentralen Platz sind Linden aus der Erbauungszeit der Siedlung erhalten, die diesen fassten. Durch Toreinfahrten mit Rundbögen, niedrige Betonmauern mit Ligusterhecken, historische Gitter und Mauern sind die Gebäude optisch miteinander verbunden und ermöglichen auf diese Weise eine einheitliche Gestaltung der Siedlung im Wechselspiel zwischen der Bebauung und den Freiflächen. Die Wohngebäude sind als verputzte Massivbauten aus Ziegeln ausgeführt. Niedrige Sockel und Fensterbank- vereinzelt auch Fenstersturzgesimse gliedern horizontal die Fassaden. Diese Gliederung wird durch die Ausarbeitung verschiedener Putzoberflächen, rauhe Wandflächen, glatte Gesimse und gekämmte Sockeloberflächen noch betont. Als Fassadenschmuck sowie zur Individualisierung und damit verbundenen Identifikation der Bewohner wurden einzelne Bauplastiken über den Hauseingängen angebracht. Anzutreffen sind gegenstandslose, gewölbte Formen, die die expressionistische Formensprache aufnehmen und an Skulpturen des Architekten Antonio Gaudí erinnern, u.a. an den Häusern des zentralen Platzes, sowie gegenständliche, z.B. ein Schiff am Haus Reuschenberger Straße 6 oder Palmenmotive an den Häusern Kanalstraße 81 und 83. Die Gebäuderückseiten sind einfacher gestaltet. Die historischen Treppenhäuser sind weitgehend erhalten. Die ursprünglich mit einem symmetrischen Wegenetz unterteilten Freiflächen der Blockinnenräume sind später zu durchgehenden Grünflächen mit Baum- und Gehölzbestand zusammengefasst worden. Innerhalb des Gebäudeblockes Vereinsstraße/Reuschenberger Straße befindet sich ein Hochbunker des Zweiten Weltkrieges.
Geschichtliche Einordnung
Die Siedlung des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen wurde westlich bereits bestehender Bebauung Opladens errichtet. Dieses Erweiterungsgebiet ist geprägt durch mehrere gemeinnützige Siedlungsprojekte unterschiedlicher Bauzeiten. Die Siedlung ist ein Teil der großflächigen Stadterweiterungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese waren notwendig, um Wohnraum für die Mittelschicht zu schaffen. Basierend auf der Schaffung von zahlreichen Arbeitsplätzen in Opladen (z.B. bei der Deutschen Reichsbahn, der Kreisverwaltung, der Bayer AG) war der Bau von großen Siedlungen notwendig geworden. Dieser Aufgabe hatte sich der Gemeinnützige Bauverein Opladen, neben anderen Bauträgern, zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestellt und ist somit der städtischen Wohnungsfürsorge mit gesundem, preisgünstigem Wohnraum gerecht geworden. Als ein wichtiger Bestandteil der Stadterweiterungen ist die Siedlung unverzichtbar für die Geschichte Opladens.
Siedlung Kanalstr. wurde 21.02.2002 unter Schutz gestellt.
Siedlung Kanalstr. läßt sich auf 1920er Jahre datieren.
GoogleMaps:Stadtplan-Eintrag

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2 Bilder, die sich auf Siedlung Kanalstr. beziehen:
09.11.2015: Kanalstr. 83/85
27.04.2006: Kanalstr.


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