Cheerleader NRW Meisterschaften 1997

Am 23. November 1997 war es mal wieder soweit. Um 12:00 Uhr war Treffpunkt an unserer Trainingshalle. Doch wie immer gab es noch Leute, denen es schwerfiel, Sonntagmorgens aus dem Bett zu kriechen. Also hatten einige von uns Zeit, mal schnell noch frühstücken zu gehen, bevor die anderen antanzten. Einige hatten ihre Taschen schon in die Busse gebracht. Es wurden Plätze in den Bussen reserviert und unserer Kleidchen mußten natürlich so aufgehangen werden, daß auch jeder auf der Autobahn sehen konnten, daß die Cheerleader von Bayer 04 Leverkusen unterwegs sind.

Als wir dann alle zusammen waren, gingen wir in die Halle, um unser Programm nochmal durchzugehen. Eigentlich wollte unser Trainer nicht alles machen, doch wir waren so voller Elan, daß er sich wünschte, es wäre immer so. Zwischendurch wurde mal gesungen, getanzt und natürlich viel gelacht. Jeder versuchte, jeden anderen zum Lachen zu bringen, was an diesem Tag nicht gerade schwer war.

Um 13:15 Uhr war es dann soweit, die Taschen waren eingepackt, die Mädchen saßen in den Bussen, und die Musik für die Fahr war auch schon parat. Auf der Autobahn wurden von einem Bus in den anderen gewunken, es wurden Handküßchen zugeworfen oder einfach nur irgendwelche Mienen gezogen, damit die anderen das Lachen nicht verlernten. Es wurde zur Musik gesungen und geklatscht. Alle waren einfach gut drauf. In Herne angekommen haben wir jeden mit unserer guten Laune angesteckt. Wir standen vor dem Eingang und sangen, was unserem Trainer nicht so gut gefiel, denn er konnte den Einweiser nicht verstehen.

Die Umkleidekabine wurde ganz schnell gefunden, so daß wir dann alle in die Halle gehen konnten, um unseren Fans gute Sitzplätze zu reservieren und um uns schon mal den verfügbaren Platz anzugucken. Man konnte jedem ansehen, wie nervös er war. Doch wir versuchten trotzdem, alle zum Lachen zu bringen, auch die Mädchen von den anderen Teams. Bei manchen klappte es und bei manchen auch nicht. Doch wir hatten es versucht. Nach der kurzen Stellprobe mußte alles schnell gehen. Die Haare mußten gemacht werden. Also saßen wir alle fest in einer Haarspraywolke, inmitten von Puder, Wimperntusche, Lippenstiften, und, und, und... Unsere Männer zogen sich schnell um und machten sich aus dem Staub, um dem Frauenkram zu entkommen. Man konnte schon langsam die Aufregung merken, wir wurden hektischen und somit nervöser. Doch um dem zu entgehen, wurde noch ab und zu mal ein Lied geträllert, und dann ging es für ein paar Minütchen wieder.

Im Flur versammelten sich dann alle Teams und warteten darauf, aufgerufen und dem Publikum vorgestellt zu werden. Auch unsere treuen Fans waren mittlerweile angekommen und brachten dann auch die Halle zum Erbeben, als unser Team aufgerufen wurde. Das brachte unsere Laune wieder in Form, und keiner von uns dachte mehr daran, was in 30 Minute passieren würde. Wir hatten uns unters Publikum gemischt und uns die Teams angeguckt, die vor uns dran waren. Nach dem vierten Team trafen wir uns dann in unserer Kabine, denn nach fünf Minuten war es dann soweit. Wir sprachen uns gegenseitig Mut zu, brüllten unseren Spruch "JUST DO IT", umarmten uns und ab ging die Post. Als wir aufgerufen wurden, konnten wir es selber nicht fassen, daß auch alle anderen Teams im Publikum saßen, denn es war immer so, daß unter Cheerleader ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Doch mittlerweile hatten auch die anderen begriffen, daß es nicht um Konkurrenz ging, sondern um den Spaß, den man miteinander haben kann. Die Mädchen zeigten uns, daß sie uns die Daumen drückten, lächelten uns zu und wischten somit unsere Nervosität weg.

Dann kam auch schon die Musik für unseren Start. Es ging alles so schnell, daß wir gar nicht merkten, daß wir schon fertig waren. Das Publikum tobte so, daß jeder von uns begriff, daß alles geklappt hatte. Auch die Sachen, vor denen wir Angst gehabt hatten, daß sie nicht klappen könnten. Man fing an zu weinen, weil man es hinter sich hatte oder weil es funktioniert hatte. Auf dem Weg in die Kabine kamen uns schon ein paar Mädchen von den anderen Teams entgegen und klatschten begeistert.

In der Kabine wurde erstmals unter Tränen unserem Trainer Oliver gedankt, daß er uns nicht aufgegeben hatte und bis zum Schluß um unser Team gekämpft hatte. Denn durch das ewige Trainieren konnte man sich manchmal gegenseitig nicht mehr sehen. Doch als wir unser Programm hinter uns hatten, waren alle Streitereien vergessen und vergeben. Danach schauten wir uns noch das restliche Programm an und tanzten zwischendurch mal im Publikum, den wir wollten, daß auch die Leute im Publikum etwas in Bewegung kamen.

Während wir auf die Ergebnisse warteten, versammelten sich alle Teams und es wurde getanzt, gestunten oder einfach nur Blödsinn gemacht. Wir waren eine große Familie. Doch währenddessen hatte sich eines unserer Mädchen, Alex, verletzt und wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein Junge von uns fuhr im Krankenwagen mit, und die anderem bekamen gar nichts davon mit.

Als die Jury dann den Punktestand vorlas, tobte das Publikum, doch wir waren enttäuscht, denn wir hatten nicht genug Punkte, um bei der Deutschen Meisterschaft mitzumachen, was keiner im Publikum wußte. Nach der Ehrung waren wir schnell in der Kabine. Es wurde geweint, geschimpft, denn wir hatten mehr erwartet. Doch nach einiger Zeit hatten wir uns wieder beruhigt, denn wir wußten ,daß das Publikum von uns begeistert war. Oliver versuchte noch herauszukriegen, warum wir so niedrig bewertet worden waren, doch keiner gab ihm eine Antwort. Mittlerweile glaubten wir, daß es wohl daran lag, daß wir ein Basketball-Cheerleaderteam sind kein Football-Team.

Am Abend fuhren wir noch schnell ins Krankenhaus, um unser Mädchen abzuholen. Das ganze Team mußte vor dem Krankenhaus warten, denn es war schon 23:00 Uhr. Als Alex rausgefahren wurde, wußte niemand von uns, was er sagen sollte. Wir erfuhren nur, daß sie eine Gehirnerschütterung hatte. Wir setzten sie in den Bus, zogen sie wärmer an (sie hatte noch das Kleidchen an) und waren dann schnell wieder auf dem Weg nach Leverkusen. In den Bussen war es ruhig, die einen schliefen, die anderen unterhielten sich. Manche wollten nichts sagen, denn sie waren doch noch mitgenommen. Um 24:00 Uhr angekommen, waren alle froh, nach Hause ins Bett zu dürfen.

Am nächsten Tag gab es ein Teamtreff. Wir sprachen über den vergangenen Tag und stellten fest, daß es uns doch nicht so wichtig war. Denn das einzige was zählt, ist, daß wir uns alle verstehen und somit ein gutes Team sind. Und da wir noch nicht allzu lange zusammen sind, haben wir noch viele Meisterschaften vor uns, für die wir noch viel Zeit haben, um uns besser kennenzulernen und somit unser Publikum beim nächsten Mal mehr zu überraschen.

Und genau dieses haben wir uns vorgenommen: Wir müssen nicht die Meister der Jury sein, wir möchten die Meister des Publikums werden.


Martin Wingender | Emailadresse (98-01-03), Zurück zur Hauptseite